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Klinsmann krempelt US-Soccer um: «Perfekter Griff»

Boston (dpa) - 30.07.2011, 12:04 Uhr

Jürgen Klinsmann will als neuer Nationaltrainer den US-amerikanischen Fußball umkrempeln.
Jürgen Klinsmann will als neuer Nationaltrainer den US-amerikanischen Fußball umkrempeln.

Amerika setzt auf deutsche Wertarbeit - Jürgen Klinsmann soll dem maladen US-Fußball endlich zu globalem Glanz verhelfen. Einer seiner größten Fans ist fest von seinem Erfolg als Nationalcoach überzeugt.

«Mein Kumpel Klinsi trainiert das US-Team - wie findet ihr das», twitterte Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. «Ich denke, es passt für beide Seiten.» Der frühere Bundestrainer ist die große Hoffnung des amerikanischen Soccer. Fans, Verantwortliche und Fußball-Fachleute sehen in Klinsmann, der am 30. Juli seinen 47. Geburtstag feierte, den Heilsbringer. «Sein größter Vorteil ist, dass er die Amerikaner besser versteht, als jeder andere ausländische Coach es jemals könnte. Er ist der perfekte Griff», meinte auch der ehemalige Nationalspieler und frühere Bundesliga-Profi Eric Wynalda.

Der Wahl-Kalifornier Klinsmann wurde vom US-Verband als Nachfolger des Tags zuvor entlassenen Bob Bradley ernannt. Und obwohl der frühere Weltklassestürmer erst am 1. August in New York offiziell vorgestellt wird, stand er bereits im medialen Mittelpunkt. «Jürgen Klinsmann kann US-Fußball nach vorn bringen, wenn er freie Hand bekommt», titelte die «Los Angeles Times».

«Klinsmann bekommt die Schlüssel für den US-Fußball ausgehändigt», schrieb die «Sports Illustrated». Denn der Weltmeister von 1990 ließ sich endlich die Macht zusichern, die ihm Verbandspräsident Sunil Gulati bei den Verhandlungen 2006 und 2010 verweigert hatte. «Es gab viele Dinge, in denen Jürgen unnachgiebig war. Dinge, die sich seiner Meinung nach einfach ändern müssen», sagte Wynalda, der als Fußball-Experte beim TV-Sender «FOX» arbeitet. «Der Deal kam nur zu Stande, weil der US-Verband nach langem Zögern bereit war, Macht abzugeben.»

Ähnlich wie bei seinem zweijährigen Engagement als Bundestrainer von 2004 bis zum Ende der Weltmeisterschaft 2006 hat Klinsmann nun weitreichende Kompetenzen. So wird er in Kürze entscheiden, wer die derzeit vakanten Trainerposten der U23-Olympia-Mannschaft und der U20 übernimmt.


Generell wird erwartet, dass der Ex-Bayern-Coach die seit Jahren festgefahrenen und alles andere als modernen Strukturen im riesigen Flächenland reformiert - wie zum Beispiel das Scouting-System. Gulati betonte, Klinsmann habe «die Erfahrung und das Wissen, um unser Programm voranzubringen». Auch das Umfeld der deutschen Nationalelf hatte der frühere Torjäger umgekrempelt und den Betreuerstab enorm professionalisiert. So zog er unter anderem Oliver Bierhoff als Teammanager, einen Psychologen und US-Fitnesstrainer hinzu. Sein einstiger Assistent und Nachfolger Joachim Löw hat diese Konzeption fortgeführt.

Der Schwabe Klinsmann will seine «Philosophie des angriffsorientieren Fußballs» einführen. Er sei dafür in seiner Zeit als Bundestrainer lange kritisiert worden, so Klinsmann, aber letztlich habe man diese Art Fußball begeisternd angenommen. «Es braucht Zeit, diesen Stil in Gang zu bringen, und du brauchst das richtige Umfeld, das dir eben diese Zeit zugesteht.»

Am 10. August gibt der einstige Bundesligaprofi im Testspiel in Philadelphia gegen Erzrivale Mexiko sein Debüt auf der US-Trainerbank. Anschließend bleiben ihm rund zehn Monate, um bis zum Beginn der WM-Qualifikation im Juni 2012 an Team und Taktik zu arbeiten. Das Ticket zur WM-Endrunde 2014 in Brasilien sollte Klinsmann kaum Kopfzerbrechen bereiten. Seit 1990 ist Amerika Stammgast beim globalen Höhepunkt. Dem kontinentalen Fußball-Verband (CONCACAF) sind drei WM-Startplätze garantiert, Mexiko ist seit Jahren der einzige ernsthafte Gegner.

Obwohl Klinsmann seit seiner Entlassung bei Bayern München im April 2009 nicht mehr als Trainer arbeitete, kennt er sich bestens in Amerikas Soccer-Szene aus. Zuletzt war er als Berater des Toronto FC tätig, fädelte unter anderem den Transfer seines einstigen Nationalmannschafts-Schützlings Torsten Frings zum MLS-Team ein.

Der Blondschopf ist seit Jahren aufmerksamer Beobachter der einheimischen Liga und hat bereits vor geraumer Zeit festgestellt, dass «die US-Spieler viel härter angetrieben werden müssen, von Trainern, Fans, Medien, wenn sie sich verbessern wollen.» Er kann ab sofort als 35. und namhaftester Chefcoach der Nationalmannschaft entscheidend dazu beitragen.

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