Generell wird erwartet, dass der Ex-Bayern-Coach die seit Jahren festgefahrenen und alles andere als modernen Strukturen im riesigen Flächenland reformiert - wie zum Beispiel das Scouting-System. Gulati betonte, Klinsmann habe «die Erfahrung und das Wissen, um unser Programm voranzubringen». Auch das Umfeld der deutschen Nationalelf hatte der frühere Torjäger umgekrempelt und den Betreuerstab enorm professionalisiert. So zog er unter anderem Oliver Bierhoff als Teammanager, einen Psychologen und US-Fitnesstrainer hinzu. Sein einstiger Assistent und Nachfolger Joachim Löw hat diese Konzeption fortgeführt. Der Schwabe Klinsmann will seine «Philosophie des angriffsorientieren Fußballs» einführen. Er sei dafür in seiner Zeit als Bundestrainer lange kritisiert worden, so Klinsmann, aber letztlich habe man diese Art Fußball begeisternd angenommen. «Es braucht Zeit, diesen Stil in Gang zu bringen, und du brauchst das richtige Umfeld, das dir eben diese Zeit zugesteht.» Am 10. August gibt der einstige Bundesligaprofi im Testspiel in Philadelphia gegen Erzrivale Mexiko sein Debüt auf der US-Trainerbank. Anschließend bleiben ihm rund zehn Monate, um bis zum Beginn der WM-Qualifikation im Juni 2012 an Team und Taktik zu arbeiten. Das Ticket zur WM-Endrunde 2014 in Brasilien sollte Klinsmann kaum Kopfzerbrechen bereiten. Seit 1990 ist Amerika Stammgast beim globalen Höhepunkt. Dem kontinentalen Fußball-Verband (CONCACAF) sind drei WM-Startplätze garantiert, Mexiko ist seit Jahren der einzige ernsthafte Gegner. Obwohl Klinsmann seit seiner Entlassung bei Bayern München im April 2009 nicht mehr als Trainer arbeitete, kennt er sich bestens in Amerikas Soccer-Szene aus. Zuletzt war er als Berater des Toronto FC tätig, fädelte unter anderem den Transfer seines einstigen Nationalmannschafts-Schützlings Torsten Frings zum MLS-Team ein. Der Blondschopf ist seit Jahren aufmerksamer Beobachter der einheimischen Liga und hat bereits vor geraumer Zeit festgestellt, dass «die US-Spieler viel härter angetrieben werden müssen, von Trainern, Fans, Medien, wenn sie sich verbessern wollen.» Er kann ab sofort als 35. und namhaftester Chefcoach der Nationalmannschaft entscheidend dazu beitragen.
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