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Zoff um Pelé: WM-Gastgeber Brasilien sucht Einheit

Rio de Janeiro (dpa) - 30.07.2011, 09:52 Uhr

Fußball-Legende Pelé (l) bekommt Unterstützung von Brasiliens Sportminister Orlando Silva.
Fußball-Legende Pelé (l) bekommt Unterstützung von Brasiliens Sportminister Orlando Silva.

Zoff um Pelé, Zwist in der FIFA-Spitze und anti-britische Ausraster: Vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2014 unweit des berühmtesten Sandstrandes der Welt knirscht es gewaltig beim kommenden WM-Gastgeber.

Ausgerechnet die brasilianische Legende Pelé wurde zur Los-Zeremonie in Rio de Janeiro zunächst nicht eingeladen. Erst die Interventionen der brasilianischen Staatschefin Dilma Rousseff und von FIFA-Präsident Joseph Blatter beförderten Pelé zum «Ehrenbotschafter der WM 2014».

So durfte der dreimalige Weltmeister, der im Dauerclinch liegt mit dem ebenso mächtigen wie ungeliebten brasilianischen Fußballverbands-Chef Ricardo Teixeira, dann doch noch dem Auslosungsabend im Jachthafen der Marina da Gloria beiwohnen.

Zwar nicht als einer der Hauptdarsteller auf der Bühne, aber immerhin als vielleicht prominentester Gast. Blatter war nach eigener Aussage «überrascht», dass Pelé auf Geheiß von Teixeira nicht erwünscht war beim ersten Meilenstein auf dem Weg zu den Fußballfestspielen in drei Jahren in Brasilien. Der 70 Jahre alte Pelé gilt als scharfer Kritiker von Verbandsboss Teixeira und hatte jüngst mit der Aussage, Brasilien gehe «ein großes Risiko ein, sich zu blamieren, wenn es keine gute WM ausrichtet» den Zorn des brasilianischen Fußball-Zaren auf sich gezogen.

«Ich gehe nur zu jemandem ins Haus, wenn ich auch eingeladen bin. Er (Teixeira) entschied, wen er einlud oder nicht. Und mich hat er nicht eingeladen», sagte Pelé in Rio de Janeiro. Da hatte die brasilianische Regierung spontan zu einer Pressekonferenz geladen - allerdings nicht im offiziellen Medienzentrum, sondern im Modern Art Museum einige hundert Meter entfernt. Mit einem Bus wurden die internationalen Pressevertreter dorthin gekarrt. Die seltsame Schattenveranstaltung warf ein bezeichnendes Licht auf die Differenzen, die derzeit beim nächsten WM-Gastgeber zutage treten.


Auf der einen Seite operiert ein Organisationskomitee der Regierung, das den Ausnahmefußballer Pelé ins Boot holte, auf der anderen Seite trägt das vom Weltverband FIFA eingesetzte lokale Organisationskomitee unter Teixeira die Gesamt-Verantwortung.

Der 64 Jahre alte Teixeira ist nicht nur Verbandspräsident und OK-Chef, sondern auch Mitglied im skandalumwitterten Exekutivkomitee der FIFA. Nachdem Teile der englischen Presse zuletzt Bestechungsvorwürfe gegen Teixeira erhoben hatten, schlug dieser nun zurück. Erst soll der Ex-Schwiegersohn des früheren FIFA-Präsidenten João Havelange in einem Interview gesagt haben, dass die Engländer «Piraten sind, die zur Hölle fahren können». Dann beschimpfte er am Freitag beim Rundgang über das Gelände einen englischen Journalisten.

«Wo kommen Sie her?», fragte Teixeira. «Aus England.» «Ich spreche nicht mit der britischen Presse. Sie sind nicht seriös, Sie sind korrupt», schleuderte der kleine graumelierte Mann dem Fragesteller von der Insel entgegen - und verschwand abgeschirmt von vier Sicherheitsleuten. «Das ist nicht gut für Brasilien. Manchmal sagen die Leute mehr, als sie wissen. Ricardo sagt manchmal Dinge, die zu Verwirrung und Missverständnissen führen», sagte Pelé nur dazu.

FIFA-Chef Blatter jedenfalls wollte sein «Regierungsmitglied» zum Rapport bestellen. «Ich habe mitbekommen, was er in dem Interview gesagt hat und ich werde mit ihm sprechen», kündigte der 75 Jahre alte Schweizer an. «Was Teixeira gesagt hat, ist nicht im Sinne des Fairplay», sagte Blatter, der sich vor kurzem mit dem englischen Verbandschef David Bernstein zur Aussprache getroffen hatte.

Die Engländer hatten Blatter zuletzt scharf kritisiert und am 1. Juni beim FIFA-Kongress auch vergebens eine Verschiebung der Präsidentenwahl gefordert. «Wir hatten ein gutes Treffen», sagte Blatter nun und betonte staatsmännisch: «Ich bin der Präsident aller Verbände, nicht nur derjenigen, die mich gewählt haben.»

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