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Markus Merk: Skandal als Chance

Berlin (dpa) - 22.07.2011, 12:02 Uhr

Ex-Schiedsrichter Markus Merk ist ein Kenner der türkischen Fußballszene.
Ex-Schiedsrichter Markus Merk ist ein Kenner der türkischen Fußballszene.

Seit knapp einem Jahr moderiert der deutsche Rekordschiedsrichter Markus Merk eine Fußballsendung im türkischen Fernsehen. Ob er seinen Job auch zur neuen Saison pünktlich antreten kann, weiß er noch nicht.

Die Süper Lig wird derzeit von einem gigantischen Bestechungsskandal lahmgelegt. In täglichen Gesprächen mit Verantwortlichen bemüht sich der 49-Jährige um aktuelle Informationen. Er hoffe auf harte Sanktionen für die Schuldigen, sagt Merk im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Er glaubt an die Chance für einen Neuanfang.

Was erhoffen Sie sich von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft?

Merk: «Es werden schwere Entscheidungen. Harte Sanktionen für die Schuldigen sind notwendig, sie müssen konsequent ins Abseits gestellt werden. Auf der anderen Seite haben die türkischen Fans, die ihren Fußball lieben, ein Recht auf die Wahrheit. Vernichtende Urteile gegen Vereine, die Außenstehende teilweise erwarten und fordern, können nicht nur den türkischen Fußball mittelfristig in die Bedeutungslosigkeit degradieren, sondern auch bei den Fans zu ungeahnten Aggressionen führen. Es wird ein juristischer Spagat.»

Haben Sie das Gefühl, dass genug für die Aufklärung getan wird?


Merk: «Ich bin vollkommen überzeugt, dass alle Organe in der Türkei jetzt an einer Aufklärung interessiert sind. Es ist ein neues Zeitalter in der Rechtstaatlichkeit. Dass seit Monaten recherchiert wird, zeigt klar, dass die Zeiten des Stillschweigens vorbei sind. Die Aufklärung macht keinen Halt vor großen und größten Persönlichkeiten des Fußballs, des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens in der Türkei. Noch vor Wochen wäre dies undenkbar gewesen, solche Persönlichkeiten unantastbar.»

Inwiefern wird der Skandal dem Image der Süper Lig schaden?

Merk: «Ein Skandal schadet immer dem Image einer Liga, zumindest mittelfristig, da darf man nichts schönreden. Der Schock ist allgegenwärtig spürbar und es bedarf einer großen Menge an Energie, ein positives Image zu rekrutieren. Es besteht aber auch die einmalige Chance auf einen, auf den Neuanfang. Ich bin vom großen Potenzial der türkischen Liga überzeugt. Der türkische Fußball hat ein ganz großes Pfand: die Menschen, die sich mit einzigartiger Emotionalität für den Fußball und ihre Farben begeistern.»

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