Wettskandal weitet sich aus - Erstes Geständnis
Rom (dpa) - 05.06.2011, 10:23 Uhr
Giuseppe Signori (vorn rechts) verlässt in Begleitung eines Polizisten ein Revier in Bologna.
Erste Geständnisse und Hausdurchsuchungen haben die Staatsanwaltschaft in Cremona am Wochenende bei der Aufklärung des italienischen Fußball-Wettskandals einen Schritt nach vorne gebracht. Gleichzeitig weitet sich die Wettaffäre immer mehr auf die Serie A aus. Laut Staatsanwalt Roberto Di Martino sind fünf Erstligaclubs ins Visier der Ermittler geraten, wobei nicht klar sei, «ob Spiele dieser Clubs tatsächlich manipuliert wurden oder ob es beim Versuch blieb». Die Namen der Clubs nannte er nicht. Italienischen Medienangaben zufolge stehen Meister AC Mailand sowie der SSC Neapel und Lazio Rom nicht unter Verdacht. Erstliga-Aufsteiger Atalanta Bergamo und sein Kapitän Cristiano Doni seien dagegen «immer mehr in Schwierigkeiten». Der Aufstieg von Bergamo und des AC Siena scheint infrage zu stehen. Beide Clubs wiesen jegliche Verwicklung in den Wettskandal zurück und nahmen sich am Samstag Anwälte, um ihren Ruf zu verteidigen. Auch Doni bestritt jegliche Beteiligung an unlauteren Aktionen.
Unterdessen hat der inhaftierte Sportdirektor des Drittligisten Ravenna Calcio, Giorgio Buffone, als Erster Spielmanipulationen gestanden. Er habe dies «nur aus Liebe zu seinem Verein» getan, teilte sein Anwalt mit. Er habe dem finanziell angeschlagenen Verein helfen wollen, die Wettmanipulationen hätten aber ohnehin nicht funktioniert, erklärte Buffone. In Bologna fand die Polizei bei dem inhaftierten Francesco Giannone vier Schecks der mutmaßlichen Wettbetrüger-Bande in Höhe von insgesamt 450 000 Euro. Nach Meinung der Ermittler dienten diese als «Garantie» der manipulierenden Akteure an die Wetter für die Erstliga-Partie Inter gegen Lecce und das Zweitligaspiel Atalanta Bergamo gegen Piacenza. Beim Serie A-Spiel funktionierte die mutmaßliche Ergebnismanipulation nicht, beim Serie B-Spiel soll das Resultat tatsächlich den vorherigen Absprachen entsprochen haben. |