«Afrika-Virus» setzt Frankreichs Fußball zu
Paris (dpa) - 07.03.2011, 14:05 Uhr
Moussa Sow vom OSC Lille führt die Torschützenliste an.
«Zurück zu den Wurzeln!», heißt es zur Zeit in Frankreich bei vielen der besten Fußballern mit ausländischen Vorfahren. Immer mehr Profis mit Migrationshintergrund kehren der französischen Nationalelf den Rücken und treten lieber für das Team ihrer Ahnen an. Dieses «Virus» befällt vor allem die aus Afrika stammenden Profis, aber auch andere Spieler. Nationaltrainer Laurent Blanc schlug dieser Tage Alarm: «Diese Entwicklung ist sehr schlimm.» Der Coach «trauert» unter anderen um Moussa Sow. Der 25-Jährige von Leader OSC Lille führt mit 17 Treffern die Torschützenliste an. 2005 gewann Sow mit Frankreich noch die U-19-EM. Seit 2009 geht er aber für den Senegal auf Torejagd. Der erste Ausnahmespieler, der Frankreich einen Korb gab und damit viel Polemik auslöste, war aber Didier Drogba, der in der Bretagne auch fußballerisch aufwuchs, lieber aber für sein Geburtsland Elfenbeinküste die Stiefel schnürt.
Die Liste der «Fußball-Deserteure» der vergangenen Jahre ließe sich beliebig fortsetzen. In Frankreich geborene Profi wie Marouane Chamakh (Marokko/Arsenal), Frédéric Kanouté (Mali/FC Sevilla), Gonzalo Higuaín (Argentinien/Real Madrid) oder Ludovic Obraniak (Polen/OSC Lille) könnte Blanc heute gut gebrauchen. Zuletzt entschied sich Montpellier-Sturmtalent Karim Aït-Fana (22) nach 21 Spielen in französischen Jugend-Nationalteams doch für Marokko. «Das kann so nicht weitergehen. Es gibt Spieler, die für uns in der U17, U19, U21 spielen, um sich dann für das Land ihrer Vorfahren zu entscheiden», klagt Blanc. Fußballszene und Medien befürchten negative Folgen für die «Équipe tricolore». Aber auch die sozialen Integrationsbemühungen stehen auf dem Spiel. Der WM-Gewinn 1998 mit einem Multikulti-Team hatte vor allem die Banlieues, die gebeutelten Vororte von Paris, Lyon und Marseille mit Stolz erfüllt. |