Er ist dem italienischen Fiskus immer noch Steuern in Millionenhöhe schuldig, einmal wurden sogar seine Ohrringe beschlagnahmt. Er ballerte schon mit einem Luftgewehr auf Journalisten, und nach der geschafften WM-Qualifikation wurden sie zur Zielscheibe für deftige Beleidigungen. Die FIFA sperrte Maradona wochenlang, bei der Auslosung für Südafrika war er unerwünscht. Dort beendete die 0:4-Schmach im Viertelfinale gegen die DFB-Auswahl die Karriere als Nationaltrainer. Wäre er bei der WM-Endrunde nicht dabei gewesen, hätte eine riesige Attraktion gefehlt. Ohne Knutschattacken ging gar nichts. Alles nur Show? «Schauspieler bekommen ein Skript und lesen es. Ich lese es nicht, ich lebe. Das ist meine Rolle», sagte Maradona. Eine eigene Fernsehsendung moderierte er aber auch schon. Und wie er lebt! Lange Zeit ungezügelt wie auf dem Platz, unkontrollierbar wie für seine Gegner. Und wie bei seinem Jahrhundert-Dribbling kam er irgendwie immer durch. Maradona bereut längst, dass er jahrelang dem Kokain verfallen war und damit auch ein unrühmliches Ende seiner Nationalmannschaftskarriere provozierte. Sie begann am 27. Februar 1977 und endete mit der Sperre durch die FIFA bei der WM 1994. Einmal entging er dem Tod nur um Haaresbreite, «weil er da oben es nicht wollte», wie der gläubige Maradona meinte - eine nach ihm benannte Kirche gibt es übrigens auch. Unvergessen sind die Bilder des kugelrunden Maradonas, das eigentlich schwarze Haar dazu noch schrillblond gefärbt. Er ließ sich den Magen verkleinern, doch spätestens in Südafrika erlebte die Fußball-Welt einen Maradona wie aus dem Ei gepellt. Wenngleich sie das auch seinen Töchtern zu verdanken hatte; ihnen zuliebe trug Maradona Anzug am Spielfeldrand. Als sie ihm zum Vatertrag eine Designer-Sonnenbrille schenkten, führte Maradona sichtlich stolz das Präsent vor. Aufgewachsen ist Maradona in Armut. In der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires lebte seine Familie, er hat sieben Geschwister. Der Fußball bot einen Ausweg und «Diegito» brachte soviel Talent mit wie vielleicht kein Zweiter. Bei den «Zwiebelchen» («Las Cebollitas») rieben sie sich die Augen: «Dieser Junge wird unser aller Rettung sein», prophezeite sein erster Trainer. Mit 16 Jahren wurde er jüngster Nationalspieler Argentiniens, vier Jahre zuvor hatte er angekündigt: «Mein erster Traum ist es, bei einer WM dabei zu sein. Der zweite ist, die WM zu gewinnen.» Bei den Junioren klappte es auf Anhieb: Mit 18 führte Maradona sie als Kapitän zum Weltmeister-Titel. Bei der WM im eigenen Land 1978 von Cesar Luis Menotti nicht berücksichtigt, brauchte Maradona die WM in Spanien 1982 zum Warmspielen für die Titelkämpfe in Mexiko. Wie kaum jemand vorher und nachher prägte der Südamerikaner die Titelkämpfe. Den politischen Feind England führte er mit seinem Tor der «Hand Gottes» und dem legendären Solo vor. Tore vor zigtausenden im Stadion und Millionen vor den Fernsehern zu schießen war für den 91-maligen Nationalspieler und viermaligen WM-Teilnehmer zur Normalität geworden. Sein Leben ist aber bis heute nicht normal: «Ich bin wie aus heiterem Himmel aus den Tiefen der Villa Fiorito bis auf den Gipfel des Mount Everest aufgestiegen. Und einmal ganz oben angekommen, war ich plötzlich auf mich allein gestellt, weil mir niemand erklärt hatte, wie man sich in einer solchen Situation verhält.»
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