Nicht einmal in Ruhe einen Kaffee trinken kann man als Trainer des deutschen Fußball-Rekordpokalsiegers.
Weil die Delegation des FC Bayern München am 14. Mai eine halbe Stunde zu früh in der Aufwärmhalle des Berliner Olympiastadions erschienen war, setzte sich Trainer Louis van Gaal kurzentschlossen in den Imbiss-Bereich für die Medienleute.
Der Niederländer nahm sich eine Tasse Kaffee und ein halbes belegtes Brötchen und stärkte sich für die finale Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalendspiel gegen Werder Bremen. Seine Ruhe hatte der Coach des deutschen Meisters aber nur für einige Augenblicke. Die erste Kamera nahm ihn noch etwas verstohlen hinter einem Metallgerüst ins Visier und der erste Fotograf schoss ein Bild von der Seite. Doch dann kniete sich der nächste Fernsehschaffende direkt vor van Gaal nieder und filmte den kauenden Holländer frontal. Den schien es nicht weiter zu stören - van Gaal stand auf, nahm sich eine zweite Schrippe und aß in Ruhe zu Ende.
Gestärkt und gelöst präsentierte sich der 58-Jährige auch anschließend auf dem Podium. «Ich dachte, ich bin hier in Bremen - ich habe nur grüne Fahnen gesehen», sagte er - und wurde von DFB-Sprecher Stephan Brause aufgeklärt, dass dies die Farbe des DFB sei. Angesprochen auf den Stellenwert dieses Endspiels zwischen deutscher Meisterschaft und Champions-League-Finale sagte van Gaal: «Man sollte dieses Spiel besser gewinnen als verlieren.»