Elfmeter-Spezialisten im Duell um WM-Platz
Berlin/Aachen (dpa) - 14.05.2010, 12:40 Uhr
Hans-Jörg Butt steht bei München im Tor.
Werder gegen Bayern, das ist auch das Duell Tim Wiese gegen Jörg Butt - das Duell der Nationaltorhüter im Kampf um den Platz im WM-Tor. Ganz Fußball-Deutschland schaut beim Pokalfinale in Berlin auch auf die beiden Keeper und kann wie der Bundestrainer den direkten Vergleich ziehen. Möglicher Höhepunkt könnte nach 120 Minuten im Olympiastadion eine kuriose Schlusspointe sein, wenn die beiden Elfmeter-Spezialisten der ganz unterschiedlichen Art gegeneinander antreten. Ausgerechnet der sonst so forsche Wiese versuchte vor dem Endspiel abzuwiegeln und behauptete: «Es gibt kein Duell. Es ist mir egal, wer mir gegenübersteht. Das juckt mich nicht.» Wiese, der noch zuvor die Torwart-Diskussion mit provokanten Aussagen angeheizt hatte, sagte zum Aufeinandertreffen mit Butt: «Daran danke ich gar nicht. Ich habe nicht im Hinterkopf, ob ich da Extra-Leistung bringen muss.»
Der stets sonnengebräunte Wiese mit seinem zuweilen patzigen Auftreten ist so ziemlich das genaue Gegenteil des ruhigen und besonnenen Butt, der nach dem Ausfall von Rene Adler das WM-Ticket erhielt. Ob Manuel Neuer, Wiese oder Butt in Südafrika das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütet, hat Joachim Löw noch nicht festgelegt. Entsprechend ging der Bundestrainer beim Länderspiel in Aachen auf das direkte Torwart-Duell in Berlin nicht ein, sagte nur allgemein: «Ich erwarte viel Spannung auf vielen Positionen, es sind viele Nationalspieler mit auf dem Platz.» Neuer hat beim 3:0 gegen Malta schon einmal vorgelegt. «Ich habe meine Aufgabe erledigt. Das war nicht das Spiel, in dem man sich auszeichnen konnte», sagte der Schalker danach. Selbstbewusst machte der 24-Jährige klar, dass er sich die Rolle als Nummer 1 bei der WM zutraue. |
Das tut Wiese natürlich auch. «Ich habe genug gezeigt in den letzten Jahren», sagte der Bremer Keeper, der sich über eine fehlende Lobby beklagt hatte. Öffentliche Unterstützung bekommt er nur aus dem eigenen Verein. «Was Tim in dieser Saison geleistet hat, ist sensationell», lobte Vereinschef Klaus Allofs. «Er hat sich weiterentwickelt.» Gelassenheit strahlt Butt aus. «Wir spielen im DFB-Pokalfinale und in der Champions League, da will ich mit dem FC Bayern Titel holen», sagte der Bayern-Schlussmann: «Dann fahre ich zur WM.» In Berlin will Butt zunächst als Torwart glänzen, würde aber auch «Elfmeter schießen, wenn es von mir verlangt wird». 26 Mal hat er in Bundesliga bereits getroffen, glänzte zuletzt in der Champions- League-Vorrunde gegen Turin als sicherer Schütze aus elf Metern. Butt träfe in Berlin auf einen Spezialisten der anderen Art, den «Elfmeter-Killer» Wiese, der in der vergangenen Saison im Pokal- Halbfinale gegen den HSV dreimal parierte. «Wenn es so weit kommt, ist das schön», sagte Wiese grinsend. Und er kündigte auch an: «Wenn es sein muss, laufe ich auch selber an.»
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