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Respekt und Sticheleien: «Von uns redet keiner»

Bremen (dpa) - 12.05.2010, 17:29 Uhr

Torsten Frings und Torwart Tim Wiese wollen mit Werder im Pokal-Finale die Triple-Träume der Bayern zerstören.
Torsten Frings und Torwart Tim Wiese wollen mit Werder im Pokal-Finale die Triple-Träume der Bayern zerstören.

Lemke gegen Hoeneß, arm gegen reich, Werder gegen Bayern - die alten Geschichten, Klischees oder Schlagworte beflügeln noch immer. «Es gibt nichts schöneres, als gegen Bayern zu gewinnen», frotzelte Werder-Kapitän Torsten Frings vor dem Pokal-Endspiel in Berlin.

Der Konter aus München ließ nicht lange auf sich warten. «Das schönste, was es gibt, ist in seinem ersten Jahr DFB-Pokalsieger gegen Bremen zu werden», meinte Bayerns Saison-Aufsteiger Thomas Müller mit einem Augenzwinkern.

Frings verwies bei der Verteilung der Favoritenrolle auf die Millionen-Transfers der Münchner. «Man muss ja sehen, was Bayern zuletzt investiert hat.» Der Werder-Antreiber mit Münchener Vergangenheit spricht mit großem Respekt von den Bayern, hat aber wie auch Nationaltorwart Tim Wiese offensichtlich Spaß an kleinen Sticheleien - wie auch Müller. «Das gehört einfach dazu.»

München nimmt den Favoriten-Status an, Bremen fühlt sich in der Außenseiterrolle wohl. «Von uns redet keiner», sagte Frings und schob genüsslich nach: «Das ist auch gut so. Umso mehr sind wir heiß auf dieses Spiel.» Und dann erinnerte er an alte Zeiten, als noch Willi Lemke mit klassenkämpferischen Parolen den Nord-Süd-Konflikt anheizte und Uli Hoeneß zurückschoss. «Alle reden nur von Bayern, uns hat keiner auf dem Plan. Das war 1999 auch so, da war es auch nur ein Frage des Ergebnisses, wie hoch wie verlieren.»

Werder aber gewann das Pokal-Finale vor elf Jahren im Elfmeterschießen. Es war der erste Titel unter Trainer Thomas Schaaf. Damals war der Münchner Triple-Traum nach dem tränenreichen Champions-League-Finale von Barcelona gerade geplatzt. Diesmal wollen sie einen Schub für das Endspiel in Madrid.


«Bayern ist momentan die beste Mannschaft», sagte Werder-Keeper Wiese, um gleich nachzuschieben: «Aber wenn du vor der Saison 65 Millionen investierst ist das auch kein Wunder.» Die unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen scheinen auch für den Bremer Tormann eine zusätzliche Motivation: «Wenn wir gewinnen, ist es umso schöner.»

Natürlich sind die Bremer längst keine armen Schlucker mehr - weder die Spieler noch der Verein. Immerhin erwirtschaftete die Werder Bremen GmbH & Co KG aA im abgelaufenen Geschäftsjahr stattliche 120,7 Millionen Euro. Und sportlich haben sich die Bremer in den vergangenen Jahren als Nummer zwei hinter den Bayern etabliert, die zuletzt einen Umsatz von 268,7 Millionen Euro aufwiesen.

Nach der Krise im Winter hat der Pokalsieger des Vorjahres den Sprung in die Champions-League-Qualifikation noch geschafft. Vor allem diese Aufholjagd hat auch den Bayern imponiert. «Die haben im Saisonendspurt zu ihrer alten Stärke gefunden», lobte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger.

Und auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hob den «großen Respekt» vor Werder hervor. «Das wird kein einfaches Spiel», sagte Rummenigge bei der Eröffnung des Fanshops am Münchner Flughafen und versicherte mit Blick auf den von Frings eingeforderten Champagner für den Bremer Bundesliga-Sieg gegen Schalke: «Er hat ja mal ein Jahr hier gespielt und weiß, dass wir immer großzügig sind. Er braucht sich keine Sorgen zu machen.»

Spätestens mit dem Anpfiff am Samstag im Berliner Olympiastadion wird das verbale Vorgeplänkel ein Ende haben. Bayern will den nächsten Schritt zum Triple machen, Bremen seinen Saison-Titel holen.

«Werder ist in einer sehr, sehr guten Form», sagte Bayern-Stürmer Ivica Olic. «Das wird nicht einfach.» Der kroatische Stürmer, der vergangene Saison noch bei Werders Nordrivalen Hamburger SV spielte, hat mit den Bremern noch eine Rechnung offen und daher eine ganz eigene Motivation im Berliner Finale: «Letztes Jahr bin ich im Halbfinale gegen Bremen rausgeflogen. Jetzt habe ich die Chance, dass ich gewinne», sagte der Angreifer.

Olic wartet jedoch noch auf sein erstes Pokaltor in dieser Saison. Eine ganz besondere Geschichte verbindet den Kroaten zudem mit Wiese, der ihn ein Jahr zuvor mit einem «Karate-Tritt» verletzt hatte.

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