Tendenz steigend: Hoffenheimer werden erwachsen
Nürnberg (dpa) - 23.09.2009, 12:46 Uhr
Hoffenheims Per Nilsson jubelt nach seinem Kopfballtreffer zum 1:0.
Nürnberg (dpa) - Torchancen en masse vergeben, am Ende sogar ein wenig gezittert - doch Ralf Rangnick war nach dem Pokalerfolg so zufrieden wie noch nie in der neuen Saison. «Das kann man gar nicht mehr mit dem Vorjahr vergleichen. Wir haben nicht mehr nur die reine Aufstiegseuphorie», freute sich der Fußball-Lehrer von 1899 Hoffenheim nach dem 1:0-Pokalerfolg beim 1. FC Nürnberg über die erwachsene Vorstellung seiner Profis. Gereift, gefestigt - und von der Konkurrenz gefürchtet: Nach der Achterbahnfahrt der vergangenen Saison greifen die Himmelsstürmer aus Hoffenheim in diesem Jahr als immer besser auftrumpfendes Kollektiv nach den Sternen. Drei Bundesliga-Siege in Serie, den Sprung ins Achtelfinale des DFB-Pokals überzeugend geschafft - anders als zuletzt nach dem 4:2 bei Borussia Mönchengladbach war Rangnick fast schon begeistert von seiner Mannschaft. «Die 20 Minuten vor und die 20 Minuten nach der Halbzeit waren hervorragend», lobte der sichtlich beeindruckte Coach die enorme Offensivkraft seines Teams, dessen einziges Manko die katastrophale Chancenverwertung war. Was allein Angreifer Demba Ba an Großchancen vergab, war unfassbar, doch entgegen aller Fußball- Weisheiten rächte sich das Versäumnis nicht.
Ausgerechnet Kapitän Per Nilsson, in der Liga bish ernoch ohne Einsatz, blieb es vorbehalten, mit seinem Kopfball (35. Minute) für das Tor des Tages zu sorgen. «Ich kann mir kein schöneres Spiel vorstellen. Das war echt das Größte», freute sich der 27 Jahre alte Schwede über sein perfektes Comeback, hatte dann aber doch leise Kritik an seinen Stürmern parat. «Wir müssen viel höher gewinnen.» Die Kollegen nahmen die Schelte gelassen - und empfingen den Matchwinner in der Kabine mit kollektivem Jubel. «Da ist ein sehr guter Zusammenhalt zwischen den Spielern», freute sich Nilsson. Ein ausgeprägtes Wir-Gefühl, ein starker Kader - 1899 ist zu beneiden. «Wir haben in allen Mannschaftsteilen richtig gute Alternativen. Wir haben die Qual der Wahl», freute sich Rangnick, der in Nürnberg seine Offensivkräfte Vedad Ibisevic und Sejad Salihovic für den nächsten Streich schonen konnte. Gegen den kriselnden Hauptstadt-Club Hertha BSC soll der vierte Bundesliga-Sieg in Folge her. «Wir müssen uns so gut wie möglich erholen und die Serie gegen Hertha ausbauen», forderte Rangnick. Angesichts der Überlegenheit der Gäste war die knappe Niederlage für den erneut harmlosen Pokalsieger von 2007 fast schon schmeichelhaft - und rasch abgehakt. «Das Ergebnis ist in Ordnung», sagte «Club»-Coach Michael Oenning und richtete den Blick auf den Höhepunkt der englischen Woche beim Keller-Duell gegen den VfL Bochum. «Wir müssen jetzt unsere Kräfte bündeln. Am Freitag wird es für uns ein ganz anderes Spiel.»
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