Ultimatum für Favre: Krisen-Hertha hofft auf Wende
Berlin (dpa) - 22.09.2009, 14:27 Uhr
Lucien Favre (l) und Geschäftsführer Michael Preetz (r) gehen gemeinsam in Richtung Trainingsplatz.
Berlin (dpa) - Abgestürzt und angeknockt sucht Bundesliga- Schlusslicht Hertha BSC nach einem Retter. «Die erfahrenen Leute müssen vorangehen. Sie müssen mit dem Druck klarkommen», forderte Sport-Geschäftsführer Michael Preetz vor dem DFB-Pokal-Auftritt beim Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München. Nach fünf Punktspiel-Niederlagen in Serie wird vor allem für Trainer Lucien Favre die Luft immer dünner. Schon ist von einem Ultimatum für den Schweizer die Rede, zur Länderspiel-Pause Anfang Oktober soll die Gnadenfrist ablaufen. Der 51-Jährige wirkt angeschlagen, versichert aber: «Wir können das schaffen.» Der Hauptstadt-Club steckt tief in der Herbst-Depression, wirksame Gegenmittel fand Favre bislang nicht. In der Vorsaison noch als Architekt eines Erfolgsteams gefeiert, wird der Coach nun für die hilflosen Darbietungen seiner führungslosen Mannschaft verantwortlich gemacht. «Ich mache meinen Job, ich arbeite Tag und Nacht», konterte der Coach, der in seiner Laufbahn noch nie gefeuert wurde. Aber von der noch im Sommer diskutierten Vertragsverlängerung über 2011 hinaus spricht längst niemand mehr. Spekulationen um einen baldigen Rauswurf blockt Preetz immerhin noch ab: «Wir führen keine Trainerdiskussion.»
Aber auch Favre kennt die Gesetze der Branche, ihm helfen nur schnelle Erfolge. «Jedes einzelne Spiel ist eine Chance, die Wende herbeizuführen. Wir müssen uns in diese Saison zurückarbeiten», sagte Preetz vor der Abreise nach München. Doch nicht nur Favre zittert schon vor der nächsten Blamage bei den «Löwen». «In unserer Situation ist jedes Spiel gefährlich», befand der Trainer. «Wir müssen mehr arbeiten, mehr kämpfen, uns mehr konzentrieren. Wir können viel besser spielen.» Die Gründe für die Krise sind offensichtlich: Sparzwänge und eine verfehlte Einkaufspolitik haben den Vorjahresvierten enorm geschwächt. Die wenigen verbliebenen Leistungsträger sind verletzt oder wie Kapitän Arne Friedrich im Formtief. «Eine blamable Situation», bekannte Friedrich. Auch Hertha-Rekordtorschütze Preetz muss sich schon nach wenigen Wochen als Nachfolger des aus dem Amt gedrängten Managers Dieter Hoeneß unangenehmen Fragen stellen. «Ich war als Spieler ein Kämpfer, und bin es auch als Manager», sagte der 42-Jährige. |