Neckarelz vor FCB-Hit: Erlebnis geht vor Ergebnis
Neckarelz (dpa) - 31.07.2009, 21:21 Uhr
Neckarelz bei Mosbach, eine 6500-Einwohner-Gemeinde zwischen Heidelberg und Heilbronn.
Die Wurst im Brötchen bei Metzger Sauer heißt jetzt «Pokalknacker», Bäcker Mayer verkauft Fußballer aus Hefeteig, die Mannschaft gibt im Supermarkt Autogramme in Profi-Manier und die Freundin eines Spielers will sich nackt fotografieren lassen, wenn der Coup gelingt: Vor dem Erstrunden-Hit der SpVgg Neckarelz gegen Rekordmeister FC Bayern München treibt das Pokalfieber in der 6500-Einwohner-Gemeinde zwischen Heidelberg und Heilbronn seltsame Blüten. Doch trotz allen Hypes um die Begegnung in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena haben die Feierabend-Kicker offenbar einen kühlen Kopf bewahrt. Mit Clubchef Thomas Ulmer verhandelten sie in dieser Woche über eine Siegprämie. Für Ulmer, der dem Verein seit 24 Jahren vorsteht und ihn sein «Lebenswerk» nennt, steht bei dem ewig jungen Duell zwischen Provinz- und Profi-Kickern die Hoffnung auf eine sportliche Sensation eher im Hintergrund. «Das Erlebnis ist wichtiger als das Ergebnis», sagt der 52 Jahre alte Europa-Abgeordnete. Hoffnung, dass der Favorit den Außenseiter unterschätzt, hat er nicht. Schließlich standen mehrfach «Spione» bei Partien des Neckar-Odenwald-Clubs am Spielfeldrand. «Die Bayern überlassen nichts dem Zufall», sagt auch Trainer Peter Hogen.
Doch auch wenn die sechstklassigen Nobodies gegen die Münchner Millionen-Stars Gomez, Timoschtschuk & Co. eigentlich keine Chance haben, macht Hogen seinen Jungs Mut. «Wir wollen engagiert und ohne Angst auftreten, auch mal Aktionen in der Offensive durchbringen», kündigte er an. Tipps hat er sich von seinem Bundesliga-Kollegen Ralf Rangnick (1899 Hoffenheim) geholt und auch das das ganze Drumherum für das Spiel des Jahres so aufwendig organisiert wie noch nie. Mit Assistent Stefan Strerath und Kapitän Rolf Lang beobachtete Hogen den schier übermächtigen Gegner beim 4:1-Testspielsieg über den AC Mailand. Und sein Team stimmt sich in Manier eines Bundesligisten auf den großen Tag ein: Am Samstag steigen die Neckarelzer erstmals in der Club-Geschichte vor einem Spiel in einem Hotel ab. Von dort geht es am Sonntag mit dem Bus in die Katakomben der mit gut 30 000 Fans ausverkauften Arena. Normalerweise trifft man sich zwei Stunden vor dem Spiel, zu Auswärtspartien wird in Fahrgemeinschaften gereist. Ulmer hingegen behält seine Gewohnheit bei: In bester Uli-Hoeneß- Manier sitzt er bei Spielen seit jeher auf der Trainerbank. «Das wird auch im größten Spiel der Vereinsgeschichte so sein», betonte Ulmer. |