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Werder feiert feucht, Bayer rätselt über Labbadia

31.05.2009, 14:40 Uhr

Mesut Özil feiert nach dem Finale mit dem Pokal.
Mesut Özil feiert nach dem Finale mit dem Pokal.

Berlin (dpa) - Der biergetränkte Thomas Schaaf flog durch die Luft, Klaus Allofs im hohen Bogen ins Entmüdungsbecken: Ausgelassen und feuchtfröhlich feierten die Bremer Fußballer das Happy End im letzten von 55 Saisonspielen.

Die Vorgesetzten wurden nach dem 1:0- Sieg im DFB-Pokal-Finale nass gemacht, ehe sich die Profis nach kurzer Stippvisite beim pflichtgemäßen Bankett ins Berliner Nachtleben stürzten und in der Diskothek Maxim die eigentliche Pokal-Party begann. Während die Bremer im zweiten Endspiel innerhalb von zehn Tagen die Rettung der bis dahin reichlich missratenen Saison bejubeln durften, drehte sich bei den Leverkusenern spätestens nach dem Abpfiff alles um die Zukunft von Trainer Bruno Labbadia, der seinen Rauswurf geradezu provoziert.

Allofs in Badelatschen, das ist ein seltenes Bild. Fröhlich schlappte der sonst stets adrett gekleidete Werder-Clubchef in einem schlecht sitzenden Trainingsanzug durch die Katakomben des Berliner Olympiastadions und sagte nach dem unfreiwilligen Bad: «Bis heute war es eine gute Saison, jetzt ist es eine sehr gute.» Die leichte Übertreibung nahm ihm niemand übel, auch wenn der Pokal-Triumph die Schwächen und Probleme einer höchst wechselhaften Saison nicht wirklich überdecken konnte. «Mit zwei Finalteilnahmen ist es keine verkorkste Saison», erklärte Allofs die Werder-Sichtweise.

Mit Verweis auf die verrückten Derbywochen gegen den Hamburger SV und das verlorene UEFA-Cup-Endspiel in Istanbul sagte der Clubchef: «Wenn man so schwere Wochen hinter sich hat wie wir und dann im letzten Spiel noch mal derart die Kräfte mobilisiert, dann ist das toll.» Der golden glänzende Pokal überstrahlte in dieser Nacht vieles - er könnte aber auch leicht blenden.

Immerhin: Mit den Zusatzeinnahmen von 3,5 Millionen Euro durch den Cup-Sieg und dem Einzug ins internationale Geschäft sieht die Werder- Zukunft nach der Ära des Superstars Diego wieder ein bisschen freundlicher aus. Im Gegensatz zum verlorenen UEFA-Cup-Endspiel gegen Schachtjor Donezk überzeugte dieses Mal auch der junge Mesut Özil, der als Nachfolger von Diego auserkoren ist und in Istanbul noch unter der Last der Erwartungen eingebrochen war. Der Nationalspieler krönte in Berlin seine starke Leistung mit dem letzten Treffer einer kräftezehrenden Spielzeit.


Den finalen Pass schlug Diego, der bei seinem Abschiedsspiel vor dem Wechsel nach Turin selten zauberte und sich stattdessen mit entschlossenem Einsatz und einigen Grätschen von seiner mannschaftsdienlichen Seite zeigte. «Das war ein guter Ball von Diego, ich hab ihn dafür gelobt», sagte der grinsende Torschütze. Für Diego waren es «die emotionalsten 90 Minuten meines Lebens» und am Ende doch noch der ersehnte Titel nach drei Jahren in Bremen.

Beim Bankett nach Mitternacht wurde Diego ebenso wie Kapitän Frank Baumann verabschiedet. Nach der Pool-Party war dies der gediegene Teil der Bremer Feierlichkeiten. Die eigentliche Sause gab es für die Spieler allerdings in einer Diskothek am Kurfürstendamm, ehe sie am Sonntagmorgen von Gleis 13 mit einem Sonderzug nach Bremen fuhren. Dort erwarteten sie ein Autokorso, der Eintrag ins goldene Buch und Zehntausende von Fans vor dem Rathaus.

Trübsal herrschte hingegen bei «Vizekusen», wie die ewigen Zweiten von den Werder-Fans verspottet wurden. Und vor allem Rätselraten über Bruno Labbadia, der sich praktisch selbst zum Abschuss freigegeben hatte - nicht durch die Niederlage auf dem Platz und viel zu späte Auswechslungen, sondern durch Äußerungen unmittelbar vor dem wichtigsten Spiel einer nun völlig missratenen Saison. Von einer «Kampagne» gegen ihn und «Komfortzonen» für die Spieler hatte Labbadia gesprochen, zudem den Streit mit Manager Michael Reschke öffentlich gemacht. Nach der Partie erklärte er ausweichend: «Nach einer Final-Niederlage ist es nicht schön, über die Zukunft zu reden.»

Nach seinem verbalen Rundumschlag vor dem Spiel ist Labbadia kaum zu halten, zumal das Zerwürfnis mit Teilen der Mannschaft in der Nacht von Berlin erneut zutage trat. «Er ist halt der Trainer von mir und kann sagen, tun und lassen, was er will», sagte Patrick Helmes reichlich unverblümt. Zu Labbadias Vorwurf der fehlenden Professionalität erklärte Helmes unwirsch: «Ich weiß nicht, was er damit meint.» Trotz der offensichtlichen Probleme gaben sich die Bayer-Offiziellen reichlich Mühe, den Schein zu wahren. Rudi Völler antwortete tapfer auf die berühmte Trainer-Frage: «Ich gehe davon aus, dass es Labbadia ist.» Am 2. Juni soll es ein klärendes Gespräch geben.

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