Klinsmann nach Pokal-K.o unter Druck
Düsseldorf (dpa) - 05.03.2009, 20:35 Uhr
Die Leverkusener Mannschaft jubelt nach dem Erfolg gegen Bayern München.
Harsche Kritik von Vorgänger Ottmar Hitzfeld, erste «Klinsmann-raus»-Rufe und das Ende des «Tanzes auf drei Hochzeiten»: Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß war nach dem bitteren Pokal-Rauswurf bemüht, Diskussionen um Chefcoach Jürgen Klinsmann im Keim zu ersticken. «Es macht keinen Sinn, solche Dinge zu kommentieren», sagte er nach der 2:4-Klatsche im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Bayer 04 Leverkusen. Das Aus des Titelverteidigers steckte er ungewohnt ruhig weg. «Man kann nicht so überheblich sein zu glauben, dass man jedes Jahr drei Wettbewerbe gewinnt», meinte Hoeneß. «Wir müssen ruhigbleiben und die Situation meistern.» Der 44 Jahre alte Klinsmann weiß selbst, dass nach Pokal-K.o. und nur einem Sieg, drei Niederlagen sowie einem Remis in der Bundesliga- Rückrunde der Druck enorm gestiegen ist. «Jede Niederlage schmerzt, vor allem beim FC Bayern», sagte der frühere Bundestrainer, der seine Kicker nach dem Abpfiff zehn Minuten lang bei einer «Frust- Besprechung» in der Kabine ins Gebet nahm. «Es ist normal, dass Kritik aufkommt. Der werde ich mich stellen.»
«Es wurmt uns alle, dass wir aus dem DFB-Pokal rausgeflogen sind. Wir brauchen eine Serie, um wieder nach vorn zu kommen», forderte Klinsmann. Trainer-Vorgänger und Premiere-Experte Ottmar Hitzfeld empfand die Leistung des FC Bayern als «diskussionswürdig» und als Blamage, ist aber von der Kehrtwende in der Bundesliga überzeugt: «Wenn die Bayern wie in der Hinrunde eine Serie hinlegen, können sie noch deutscher Meister werden.» Auch Bundestrainer Joachim Löw traut den Bayern noch einiges zu. «Jetzt ist es natürlich schwierig. Aber vier Punkte in der Bundesliga sind aufzuholen und in der Champions League hat man gute Aussichten», sagte Löw in einem Fernseh-Interview in Berlin. Seinen früheren Chef nahm er in Schutz: Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Er arbeitet mit aller Leidenschaft und mit aller Begeisterung....Und er hat vor allem auch schon bewiesen, dass er in solchen Phasen der Kritik besonders gut ist.» |
Für die Bayern-Profis, die von den zuletzt als labile Fußball-Schöngeister verspotteten Leverkusenern an die Wand gespielt wurden, stellt sich die «T-Frage» nicht. «Der Trainer tut und macht, aber sobald wir auf dem Platz stehen, müssen wir das umsetzen. Wir haben uns die Niederlage selbst zuzuschreiben», sagte Nationalstürmer Miroslav Klose, der nach dem 1:3 durch Lucio (72. Minute) mit seinem Anschlusstreffer (74.) noch einmal für Spannung sorgte. Für ihn stimmt das Miteinander zwischen Spieler und Trainer: «Absolut!» Auch Hamit Altintop sieht die Ursache für die Probleme bei der Mannschaft und nicht bei Klinsmann. «Ich glaube, dass der Trainer alles versucht. Momentan läuft es einfach nicht.» Begeistert war der heutige Schweizer Nationalcoach Hitzfeld von der Fußball-Gala der Werkself. «Leverkusen hatte einen fantastischen Tag, Es war der perfekte Fußball», schwärmte nicht nur der Ex-Bayern-Coach. «Wir haben ein überragendes Pokal-Spiel gesehen und den Bayern keine Luft zum Atmen gegeben», freute sich Bayer-Torjäger Patrick Helmes, der das 3:0 (70.) markierte. Tranquillo Barnetta (54.) und Arturo Vidal (61.) hatten die ersten beiden Tore erzielt. «Dieses hohe Tempo zu halten über 90 Minuten, obwohl wir am Ende etwas unter Druck geraten sind - großer Respekt», lobte Sportdirektor Rudi Völler nach dem ersten Pokal-Sieg überhaupt gegen den FC Bayern. Schließlich kriselte es auch in der Bayer-Truppe, die seit dem 15. November nur zwei von neun Bundesliga-Partien gewann. «Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns. Die Mannschaft hat das Erfolgserlebnis gebraucht», sagte Bayer-Trainer Bruno Labbadia. Sein junges Team habe auch in den vergangenen Wochen ordentlich gespielt, nur die Punkte hätten gefehlt. «Da kann man als Mannschaft schon mal den Glauben verlieren, doch heute hat sie extrem gut zusammengearbeitet.» Den Einzug ins Finale am 30. Mai in Berlin und den zweiten Pokalsieg nach 1993 hält Labbadia für möglich: «Berlin ist eine Reise wert. Ich hoffe, dass wir das Erlebnis haben werden.» Das neue Wir-Gefühl entfachten die Spieler bei einer Sitzung ohne Trainer. «Die Mannschaft hat sich zusammengesetzt und sich ausgetauscht», berichtete Kapitän Simon Rolfes. «Wir haben einen guten Teamgeist, dies aber zuletzt auf dem Platz nicht so gezeigt», meinte der Nationalspieler. Der wegen seines harten Regimes kritisierte und als «Problembär Bruno» bezeichnete Labbadia will sich nicht beirren lassen. «Ich mache es nicht für andere Leute, ich bin von meinem Weg überzeugt», sagte er.
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