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Wiesbaden schmeißt Karlsruhe aus dem DFB-Pokal

Karlsruhe (dpa) - 29.01.2009, 12:08 Uhr

Wiesbadens Torschütze Ronny König jubelt nach Spielende mit einer Attrappe des Pokals.
Wiesbadens Torschütze Ronny König jubelt nach Spielende mit einer Attrappe des Pokals.

Die Fans außer sich, Manager Rolf Dohmen völlig erbost und selbst Trainer Edmund Becker mit seiner Geduld am Ende: Mit dem peinlichen Pokal-Aus gegen den Zweitliga-Vorletzten SV Wehen Wiesbaden leistete der Karlsruher SC den sportlichen Offenbarungseid.

«Wir wollten uns eine breite Brust für die Rückrunde holen - jetzt haben wir eine Hühnchenbrust», schimpfte Dohmen nach dem 0:1 (0:0). «Das war eine katastrophale Leistung, die nicht Bundesliga-tauglich war. Wir haben zu Hause gegen einen biederen Zweitligisten verloren und von der ersten bis zur letzten Minute nichts gebracht. Das war eine Null-Leistung.»

Dafür durften sich die finanziell angeschlagenen Wehener über einen gelungenen Einstand von Trainer Wolfgang Frank und mindestens 900 000 Euro freuen, die es im Viertelfinale gibt. Die KSC-Profis waren nach dem Abpfiff wie gewohnt zur Gegentribüne getrottet und prallten förmlich zurück, als von dort ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert kam. Dohmen wurde während der Pressekonferenz von der Polizei nach draußen gerufen: Etwa 150 Fans forderten lautstark die Spieler: «Wir wollen nur reden». Einer Gruppe von 30 Anhängern war das nicht genug: Sie versuchten nach Polizeiangaben die Geschäftsstelle zu stürmen und verletzten dabei einen Ordner schwer.

Drunter und drüber ging's auch auf dem Platz, wo die Nordbadener nach einem miserablen 2008 noch schlechter ins neue Jahr starteten. «Wir haben uns zu wenig bewegt», sagte Giovanni Federico, der ebenso wie der zweite Rückkehrer Marco Engelhardt enttäuschte, in entlarvenden Worten. Von spielerischen Ansprüchen sprach im Wildparkstadion erst gar keiner. Wehens Ronny König nutzte vor 13 686 Zuschauern die einzige Chance der Gäste zum überraschenden 0:1 (73.).

Torwart Markus Miller begann bei seiner Analyse jeden Satz mit «wieder einmal»: Wieder einmal hinten schlecht gestanden, wieder einmal keine Tore gemacht, wieder einmal die Kurve nicht gekriegt. In dieser Form und vor allem mit dieser Einstellung sind die Nordbadener Abstiegskandidat Nummer eins. Ein Trainerwechsel ist beim KSC (noch) kein Thema, da Edmund Becker so etwas wie eine «Vereinsikone» ist - doch das waren andere führende Übungsleiter im Profifußball bis zur Trennung auch schon.


Der 52-Jährige brach nach dieser «wahnsinnigen Enttäuschung» erstmals in seiner Amtszeit den Stab über seiner Mannschaft und bemängelte die «Lethargie» seiner Profis: «Das war heute ein Tiefpunkt.» Um seine Mannschaft wieder zum Leben zu erwecken, bedarf es offensichtlich Maßnahmen, die nicht Beckers Art entsprechen. «Noch zehn Spieler holen», meinte Manager Dohmen auf die Frage, was die Verantwortlichen nun zu tun gedenken.

Einer der drei Neuen, der erst am Spieltag verpflichtete Dino Drpic von Dinamo Zagreb, sorgte wenigstens auf der Ehrentribüne für etwas Glanz und Glamour. Der Abwehrspieler und seine Nives Celsius waren gleich begehrtes Objekt der Fotografen, schließlich haben die «Balkan-Beckhams» («Bild») schon europaweit für Schlagzeilen gesorgt: Das Playboy-Model hatte im kroatischen Fernsehen ausgeplaudert, dass sie mit ihrem Mann Sex im Mittelkreis des Stadions hatte - «Das Flutlicht war nur für uns zwei an.» Auch wegen diverser anderer Eskapaden hatte Dinamo Drpic gefeuert. Ob es beim KSC sportlich so prickelnd wird, wird der Neuzugang bezweifelt haben.

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