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Bayern führt VfB vor und schockt Konkurrenz

Stuttgart (dpa) - 28.01.2009, 16:15 Uhr

Gute Zusammenarbeit: Die Münchner Luca Toni (r) und Franck Ribery bejubeln Treffer drei.
Gute Zusammenarbeit: Die Münchner Luca Toni (r) und Franck Ribery bejubeln Treffer drei.

Nach dem Pokal-Triumph im Stile einer Übermannschaft beim völlig desolaten VfB Stuttgart schwelgten die Verantwortlichen des FC Bayern München in den höchsten Tönen.

«Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft. Das war ein kleines Ausrufezeichen an die Konkurrenz», kündigte ein rundum zufriedener Coach Jürgen Klinsmann nach dem 5:1 (3:0)-Kantersieg weitere Coups an. Manager Uli Hoeneß tönte: «Die Konkurrenz weiß jetzt, wo wir stehen.» Verteidiger Philipp Lahm reservierte gleich zwei Trophäen für die Münchner: «Wenn wir so spielen, werden wir Meister und Pokalsieger.»

Stand der deutsche Rekordmeister zum Abschluss der Hinrunde noch am Rand einer Niederlage bei den Schwaben, so zog er beim ersten Pflichtauftritt nach der Winterpause den zuvor unter Teamchef Markus Babbel fünfmal ungeschlagenen VfB wie einen Zirkusbären am Nasenring durch die ausverkaufte Mercedes-Benz-Manege. «Wir haben unsere Lehren aus dem damaligen 2:2 gezogen», sagte Klinsmann. Gegen die mut- und ratlosen Stuttgarter waren die Münchner dieses Mal aber auch nie gefordert. «Wir hatten viel zu viel Angst. Wir haben richtig einen verbraten bekommen», räumte Babbel ein. «Ich war froh, als das Spiel 'rum war, sonst hätte es noch bitterer werden können.» Der trotz seines späten Ehrentreffers (84. Minute) wie das ganze Team weit unter Normalform agierende Mario Gomez gestand: «Wir haben als ganze Mannschaft versagt.»

Nach der Klatsche übte Jens Lehmann heftige Kritik an der Vorbereitung und damit auch an Babbel. «Man muss sich die Frage stellen, warum Bayern so schnell, spritzig und präsent auf dem Platz war und wir so gar nicht. Irgendetwas muss anders gelaufen sein», sagte der Ex-Nationaltorhüter dem Pay-TV-Sender Premiere. Der frühere Bayern-Coach und jetzige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld kritisierte Lehmanns Vorwürfe. «Diese Aussagen kommen zum falschen Zeitpunkt. Er soll über seine eigene Leistung und nicht über die Vorbereitung sprechen», sagte Hitzfeld. «Das war indirekte Kritik am Trainer. Da muss Babbel intensiv mit ihm reden und eventuell auch Konsequenzen ziehen.»

Cup-Verteidiger FC Bayern spazierte nicht nur im Schongang ins Pokal-Viertelfinale, er schockte mit seiner lehrbuchhaften Demonstration moderner Fußball-Kunst auch die gesamte nationale Konkurrenz und meldete zugleich Ansprüche für die Champions League an. «Wir wollen in Europa so weit wie möglich kommen und die Bundesliga wieder gewinnen», sagte Klinsmann. Luca Toni versicherte mit breitem Grinsen: «Wir haben gezeigt, dass wir in allen drei Wettbewerben dabei sein wollen.» Der italienische Nationalstürmer trug mit seinem kunstvollen Heber (43.) ebenso zum Tor-Festival bei wie das stark auftrumpfende kreative Mittelfeld-Trio Bastian Schweinsteiger (14. und 55./Foulelfmeter), Franck Ribéry (16.) und Zé Roberto (59.).


«Nachdem wir den Sack schon früh zugemacht hatten, konnten wir es uns erlauben, etwas lockerer zu spielen», spottete Schweinsteiger über die erschreckend schwachen Stuttgarter. Sein schwäbischer Trainer ersparte sich an seiner alten Wirkungsstätte Hohn, er schien eher Mitleid mit seinen gebeutelten Landsleuten zu haben. Seine Schützlinge lobte Klinsmann: «An der Leistung gibt es nichts auszusetzen. Das war imponierend und hat Spaß gemacht. Die Automatismen greifen.» Hoeneß schwärmte: «Die Mannschaft hat wie aus einem Guss gespielt. Ich bin total begeistert. Das war à la bonheur!»

Dabei haben die Münchner laut Klinsmann ihr Top-Niveau noch nicht einmal erreicht. «Wir sind nach der guten Vorbereitung schon jetzt auf einem guten Stand. Aber wir können das Tempo noch höherschrauben, wenn wir mal erst im Drei-, Vier-Tage-Rhythmus spielen.» Sein Team sei «bestens gerüstet» für die nächsten vier Monate. Hoeneß ergänzte: «Wenn wir so spielen, wird es schwer gegen uns.»

Grund zu Kritik gab trotz seines stellenweise genialen Auftritts nur Ribéry wegen seines provozierend lässig verschossenen Elfmeters (21.). Hoeneß las dem französischen Ballkünstler wegen dieser Überheblichkeit die Leviten: «Das hat mir gar nicht gefallen. Das ist 'Cirque du Soleil', das muss er sich abgewöhnen.»

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