Michel Platinis Lockmittel könnte die «Kleinen» zu noch größeren Taten stimulieren. Wird der Vorschlag des UEFA-Präsidenten in die Praxis umgesetzt, winkt dem künftigen Sieger des DFB-Pokals das Startrecht in der Champions League.
«Wir wollen nach Berlin», machte sich Marco Kurz, der Trainer des Zweitligisten TSV 1860 München, vor der zweiten Runde zum Sprecher der «Underdogs». Doch die Wahrscheinlichkeit, dass am 19. April 2008 tatsächlich ein krasser Außenseiter in den Genuss des Finalauftritts kommt, ist eher gering: Aus der Regionalliga sind unter den besten 32 nur noch Werder Bremen II, der Wuppertaler SV und Rot-Weiss Essen vertreten.
Noch dominiert die Erstklassigkeit. Lediglich Bayer Leverkusen (0:1 beim FC St. Pauli) und Energie Cottbus (7:8 nach Elfmeterschießen in Essen) mussten von den Bundesligisten in Runde eins klein beigeben. Doch die «Kleinen» sind selbstbewusst. «Ich gehe davon aus, dass die Berliner viel Respekt vor uns haben und wir Hertha schlagen werden», kündigte Achim Weber, Sportlicher Leiter des Wuppertaler SV, vor dem Duell des Regionalliga-Zweiten mit dem Bundesliga-Achten an. Für Wuppertal wäre der Einzug in das Achtelfinale der größte Pokalerfolg seit 1963, als der WSV erst in der Vorschlussrunde am späteren Cup-Gewinner Hamburger SV (0:1) scheiterte.
In erhöhter Alarmbereitschaft ist Zweitliga-Aufsteiger FC St. Pauli, der sich 2006 erst im Halbfinale Rekord-Pokalsieger Bayern München (0:3) beugen musste. Ausgerechnet gegen seinen früheren Arbeitgeber steht Profi Ivan Klasnic nach seiner Nieren- Transplantation vor dem Pflichtspiel-Comeback. Das bestätigten sowohl Werders Cheftrainer Thomas Schaaf als auch U23-Coach Thomas Wolter. «Ich würde mich wirklich freuen, ihn wiederzusehen. Es ist schön, dass er wieder gesund ist», sagte St. Paulis Chefcoach André Trulsen. Klasnic deutete in einem Testspiel mit zwei Treffern an, dass er nicht viel von seiner Gefährlichkeit eingebüßt hat. «Unter Druck habe ich immer gute Leistungen gebracht», ließ Klasnic erkennen, dass er auf einen «echten» Einsatz brennt.
«Wenn nicht irgendetwas dazwischen kommt, wird er spielen. Wir setzen fort, was wir vom ersten Tag an gesagt haben. Wir denken nur von Tag zu Tag. Wir erhöhen das Pensum und die Belastung langsam», sagte Schaaf. Klasnic absolvierte das Abschlusstraining mit der Regionalliga-Mannschaft ohne Probleme. Anschließend gaben alle Verantwortlichen Grünes Licht für das erste Pflichtspiel nach der Operation.
Noch sind letzte Details mit seinem Arzt zu besprechen: «Natürlich freue ich mich, wenn ich gegen St. Pauli spielen würde. Vorher muss ich aber noch etwas für die Spielberechtigung mit dem Arzt klären. Der gibt das Okay oder nicht. Wir werden sehen, ob ich spiele», erklärte Klasnic.
Sein Optimismus ist aber groß. Der Profi hatte früher für St. Pauli gespielt und ist dem Hamburger Verein noch immer verbunden. «Ich habe elf Monate darauf hingearbeitet, dabei zu sein. St. Pauli ist in meinem Herzen. Aber ich kann es auch nicht ändern, dass es jetzt ausgerechnet gegen sie geht», sagte Klasnic. Einen großen Rummel um seine Person lehnt er ab: «Ich will nicht bevorzugt werden. Hauptsache ist, dass wir eine Gemeinschaft sind und eine Runde weiterkommen.»
Für zwei Erstligisten ist in den acht Dienstag-Spielen der Einzug in die Runde der besten 16 (Ende Januar 2008) programmiert. Schalke 04 steht gegen Hannover 96 unter Druck. «Wir müssen möglichst schnell in die Erfolgsspur zurückkommen», stellte Manager Andreas Müller nach vier Pflichtspielen ohne Sieg fest. Völlig konträr ist die Lage bei den Niedersachsen, die fünf Mal nicht verloren haben. «Wir verstehen uns alle sehr gut - und dass wir Fußballspielen können, sieht man ja», nannte Mittelfeldmann Sergio Pinto das offene Erfolgsgeheimnis des Pokalsiegers von 1992.
Noch augenfälliger sind die Positiv-Bilanzen von Erstliga-Aufsteiger Karlsruher SC und des VfL Wolfsburg: Die Badener sind zuletzt fünf Mal unbesiegt geblieben, der VfL gar sechs Mal. «Der KSC zählt zu den besten Teams der Saison», lobte VfL-Coach Felix Magath die Badener, die 1955 und 1956 Pokalsieger waren. Doch der KSC hat ein Handicap: Torhüter Markus Miller, der einen großen Anteil am Höhenflug des Tabellen-Vierten hat, zog sich beim 0:0 in Rostock einen Kreuzbandriss zu. «Der schlimmste Verdacht hat sich bestätigt», sagte der 25-Jährige. Zum Einsatz wird deswegen Millers gleichaltriger Stellvertreter Jean-Francois Kornetzky kommen. Der Franzose kann allerdings noch auf kein Bundesliga-Spiel verweisen.