Absolution für Rot-Sünder Cacau
Berlin (dpa) - 27.05.2007, 12:23 Uhr
Cacauo vom VfB Stuttgart verlässt nach seiner roten Karte den Platz.
Die kleine Tochter auf seinem Arm zauberte ein Lächeln auf Cacaus Gesicht, doch trotz der Leckerbissen beim Mitternachtsbankett des VfB Stuttgart blieb die Niederlage für den Rot-Sünder unverdaulich. Immerhin spendete die Familie Trost und auch die Mitspieler waren weit davon entfernt, den gläubigen Christen zum Sündenbock für das 2:3 (2:2, 1:1) nach Verlängerung im DFB- Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg zu machen. Der 26-jährige Brasilianer brachte durch den Platzverweis nach seiner Tätlichkeit den deutschen Meister schon nach 31 Minuten auf die Verliererstraße. Auf der Tribüne zur Untätigkeit verdammt, ließ der mit 14 Bundesliga- Toren erfolgreichste Stuttgarter Stürmer seinen Tränen freien Lauf. «Es tut mir Leid, dass ich der Mannschaft geschadet habe und nicht mehr helfen konnte», sagte Cacau, der nur elf Minuten nach seinem 1:0 (20.) nach einer Tätlichkeit an Gegenspieler Andreas Wolf «Rot» sah. Absolution erteilte Trainer Armin Veh: «Er hat eine hervorragende Saison gespielt. Wenn er einen Fehler gemacht hat, werde ich ihm bestimmt nicht den Kopf abreißen.» Cacau entschuldigte sich bei der Mannschaft, «aber mir hat keiner einen Vorwurf gemacht.» Diese gingen an die Adresse von Referee Michael Weiner (Giesen). «Cacau wurde ständig getreten und provoziert. Auch das muss der Schiedsrichter mal sehen», sagte Roberto Hilbert und Teammanager Horst Heldt meinte zur Leistung des Unparteiischen: «Das war sich nicht das Gelbe vom Ei.»
Die numerische Unterlegenheit über fast 90 Minuten war jedoch beim deutschen Meister nicht der Hauptgrund für das verpasste erste Double der 114-jährigen Vereins-Geschichte. «Diese Niederlage musste nicht sein. Bei den ersten beiden Gegentoren haben wir zu viele Fehler gemacht», meinte Verteidiger Ludovic Magnin. Anders als in den acht siegreichen Punktspielen in Serie war die hoch gelobte Abwehr bei den Gegentreffern nicht im Bilde. Doch Veh verfiel nicht in Einzelkritik, er lobte das Kollektiv: «Das war ein Spiegelbild einer gesamten Saison, dass die Mannschaft Leidenschaft bis zum Schluss gezeigt hat. Hut ab vor der Truppe, die einfach einen guten Charakter hat.» Dabei deckte der Meistertrainer den Mantel des Schweigens über den hässlichsten Moment des Spiels: Nur Minuten nach Cacaus Platzverweis hätte auch Kapitän Fernando Meira wegen seiner brutalen Attacke gegen Marek Mintal vom Feld fliegen müssen, statt mit Gelb davonzukommen. «Das hat natürlich schlimm ausgesehen, da hätte man auch anders reagieren können», gab Heldt zu. «Aber auch da muss man sagen: Eine Inkonsequenz vom Schiedsrichter.» Der Portugiese entschuldigte sich bei Mintal, dessen Blessur nach dessen Aussage aber «nicht so schlimm ist» wie zuerst befürchtet. Die genaue Diagnose steht aber noch aus. Beim morgendlichen Abschluss-Bankett im Berliner Hotel Esplanade hatte VfB-Präsident Erwin Staudt seinen Humor nicht verloren. «Seien Sie froh, dass wir verloren haben», rief er in seiner Rede den zunächst verwunderten Gäste zu. «Bei einem Double hätten Armin Veh, Horst Heldt und ich zurücktreten müssen. Da wir noch was zu schaffen haben, bleiben wir da.» Den Fluch des totalen Erfolges im Hinterkopf, klang auch ein verschmitzt lächelnder Horst Heldt beinahe erleichtert: «Wir brauchen ja noch ein wenig Luft nach oben.»
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