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St. Pauli feiert nach 2. Liga-Aufstieg

Hamburg (dpa) - 26.05.2007, 13:57 Uhr

St. Pauli-Spieler zeigen ein Transparent:
St. Pauli-Spieler zeigen ein Transparent: "Eine neue Liga ist wie ein neues Leben".

Als der Startschuss zur braun-weißen Partynacht fiel, fehlte ausgerechnet das Bier. Von der nahen Reeperbahn stieg ein leuchtendes Feuerwerk in den Nachthimmel, aus den Lautsprechern im Millerntorstadion schepperte die frisch komponierte Aufstiegshymne.

Doch an Getränke hatte offenbar niemand gedacht. Erst als die Mannschaft schon fast wieder von ihrer ausgedehnten Ehrenrunde zurück war, bekam Trainer Holger Stanislawski als Erster ein XXL-Bierglas in die Hand gedrückt.

«Jeder Aufstieg ist geil», jubelte Stanislawski, der die Hamburger nach vier Jahren in der Drittklassigkeit wieder in die 2. Fußball-Bundesliga geführt hat. Seine Spieler waren nach dem 2:2 am Freitagabend gegen den 1. FC Dynamo Dresden kaum zu halten. Torwart Patrik Borger kletterte auf den Sperrzaun und feuerte die Fans per Megafon an, die anderen tobten erst ziellos über den Rasen und entrollten dann ein Transparent mit dem Motto des Abends: Eine neue Liga ist wie ein neues Leben. «Endlich geschafft», sagte Verteidiger Fabian Boll, der es noch gar nicht recht zu begreifen schien: «Ich bin noch total leer im Kopf.»

Drei Jahre hatte der Traditionsclub vergeblich seinen Kampf für eine bessere Liga geführt. Gegen Dresden musste nur ein Unentschieden her, doch am Ende wurde es noch einmal eine Zitterpartie. Nach der frühen Führung durch Charles Takyi per Foulelfmeter (14. Minute) und dem Ausgleich durch Pavel David (45.+1) besangen die Fans schon den Aufstieg, als Carsten Rothenbach sieben Minuten vor Schluss mit seinem ersten Saisontor das 2:1 gelang. Doch David glich noch einmal aus (90.), und St. Pauli musste vor 15 400 Zuschauern im ausverkauften Stadion bange letzte Sekunden überstehen.

«Wir waren schon ein bisschen geschockt», gestand Kapitän Fabio Morena. Er habe sich auf dem Platz an den FC Schalke 04 erinnert gefühlt, der in den letzten Spielen der Bundesliga die Meisterschaft noch vergab. Auf der Tribüne fieberte Schalkes Nationalspieler Gerald Asamoah, der mit Takyi befreundet ist, mit den Braun-Weißen. Auch Trainer Stanislawski war besorgt: «Ich hatte kurz Fracksausen, dass noch was passiert.» Wenig später aber pfiff Schiedsrichter Florian Meyer das Spiel ab und die Party im Stadion und auf dem Kiez damit endgültig an. «Da klappt man die Fußnägel auf und sagt: Mehr geht nicht», sagte Stanislawski, der mit St. Pauli als Spieler 1995 und 2001 in die Bundesliga aufgestiegen war.


Die Fans feierten ihn besonders lautstark - nicht nur als Urgestein, sondern als Vater des jüngsten Erfolgs. Seit der Sportchef im November das Amt des Cheftrainers von Andreas Bergmann übernahm, holte St. Pauli in 19 Spielen 40 Punkte und mauserte sich zum Spitzenteam. In den kommenden Tagen soll er seinen Vertrag für die neue Saison erhalten. «Es geht nur noch um Details», sagte Präsident Corny Littmann. Doch an solche Formalitäten wollte an diesem Abend keiner denken. «Jetzt wird nur noch gefeiert», kündigte Littmann an.

Die Spieler und der Präsident kannten nur ein Ziel: die Reeperbahn, wo rund 18 000 Menschen das Match auf einer Großbildleinwand verfolgt hatten. Die befürchteten Zwischenfälle gab es dort nicht. Kurz nach Spielende hatten sich Fangruppen in Stadionnähe zwar mit Flaschen und Steinen beworfen; die insgesamt friedliche Party trübte das aber kaum. Kurz vor Mitternacht präsentierte sich das Team auf dem Balkon des Schmidt-Theaters von Clubchef Littmann und genoss noch einmal die Begeisterung der Massen. Bis Dienstag haben die Aufsteiger nun frei. «Sie können machen, was sie wollen», sagte Stanislawski.

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