Timo Hildebrand will den Traum-Abschied vom VfB Stuttgart, sein Nachfolger Raphael Schäfer die perfekte Visitenkarte für den neuen Job.
«Es wird wieder Zeit für einen Außenseitersieg. Es gäbe nichts Schöneres, als mich mit dem Pokal, meinem ersten Titel, aus Nürnberg zu verabschieden», sagt Schäfer vor dem mit Spannung erwarteten Duell im DFB-Pokalfinale gegen seine künftigen Kollegen, die nach dem deutschen Meistertitel heiß auf das Double sind. «Wir gehen voller Euphorie und Optimismus ins Pokalfinale», kündigte Nationaltorhüter Hildebrand vor seinem letzten Spiel bei den Schwaben an.
Immer wieder kreuzten sich die Wege der jeweils 28 Jahre alten Schlussmänner, meist hatte Hildebrand im direkten Vergleich die Nase vorn. «Ich kenne ihn aus den DFB-Nachwuchsmannschaften. Ich habe ihn damals abgelöst», erinnert sich der VfB-Keeper. Doch während Hildebrand folgerichtig bei den Großen zum dritten Nationaltorhüter hinter den führenden Schlussleuten Jens Lehmann und Oliver Kahn aufstieg, musste «Spätzünder» Schäfer lange in den Bundesliga- Niederungen um Anerkennung kämpfen.
2001 kam Schäfer vom Nord-Regionalligisten VfB Lübeck zu den Franken, dort musste er zunächst Darius Kampa den Vortritt lassen. In der Saison 2003/04 wurde Schäfer die Nummer 1 beim Traditionsclub, mit ihm gelang die Rückkehr in die Bundesliga. «Am Anfang hatte ich es logischerweise noch schwer hier. Ich musste mir bei den Fans und Medien alles hart erarbeiten», erinnert sich Schäfer an das überschwere Erbe von Andreas Köpke.
Doch nach sechs Jahren erlebt die Ehe Schäfer-Nürnberg ein Happy- End. Der Torhüter wurde in dieser Saison «Club»-Kapitän, mit seinen Leistungen hatte Schäfer großen Anteil an der Stabilität der besten Bundesliga-Abwehr. «Er hat eine richtig gute Saison gespielt», attestiert ihm auch Bundestorwarttrainer Köpke. Selbst den Wechsel nach Stuttgart verübelten die lange nicht wohl gesonnenen «Club»-Fans dem 28-Jährigen nicht. «Ich freue mich darauf. Wenn ich vor irgendetwas Muffe hätte, hätte ich den falschen Beruf», sagte der Keeper mit Vorfreude auf die Champions League.
Wie auch der lange als zurückhaltend geltende Hildebrand ist Linksfuß Schäfer ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, große Schlagzeilen sind ihm ebenso fremd wie große Worte. «Die Oliver-Kahn- Art stirbt ein bisschen aus», sieht sich der Torhüter im Trend. «Man muss immer eine Maske aufhaben, gerade im Show-Business Fußball», gibt sich auch Hildebrand zurückhaltend, wenngleich der Stuttgarter zuletzt wahre Gefühlsausbrüche zeigte. «Ich werde die Fans, diese Mannschaft und diesen Verein, dem ich alles in meiner Karriere zu verdanken habe, nie vergessen», schwärmte er nach dem Titelgewinn am Samstag.
Dass Schäfer in seinem letzten Spiel für den «Club» ausgerechnet auf seine künftigen Kollegen trifft, sieht er nicht als Belastung. «Meine Zeit beim VfB beginnt erst am 1. Juli. Zudem habe ich ja nichts davon, wenn Stuttgart gewinnt. Und international qualifiziert sind wir beide», sagte Schäfer und baut auf die perfekte Arbeitsteilung: «Ihr habt die Meisterschale, wir holen den Pokal.»