BVB und van Marwijk vor schweren Zeiten
Dortmund (dpa) - 25.10.2006, 17:40 Uhr
Dortmunds Torhüter Weidenfeller (l) bringt Hannovers Jan Rosenthal (r) zu Fall.
Das Leiden hält an, doch personelle Konsequenzen bleiben vorerst aus. Am Ende einer denkwürdigen 0:1 (0:0)-Pokalschlappe gegen Hannover 96 wurde bei Borussia Dortmund nur wenig über die Zukunft von Trainer Bert van Marwijk diskutiert. Stattdessen erhitzten der Platzverweis für Torhüter Roman Weidenfeller, der vom DFB-Sportgericht «wegen unsportlichen Verhaltens» für zwei Pokalspiele gesperrt wurde, und ein in der Schlussminute annullierter Elfmeter die Gemüter. Wutentbrannt stellte van Marwijk Schiedsrichter Felix Brych noch auf dem Rasen zur Rede. «Das habe ich noch nicht erlebt. Er steht sieben Meter neben Dede, pfeift Elfmeter und fragt dann den Assistenten, der 30 Meter entfernt ist», schimpfte der BVB-Coach. Das Chaos wenige Sekunden vor dem Abpfiff lenkte vom eigentlichen Dilemma ab. Nach einer «Schwalbe» von BVB-Abwehrspieler Leonardo Dede entschied der Unparteiische aus München zunächst auf Elfmeter, ließ sich aber nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten umstimmen. Die anschließende Gelbe Karte für den Brasilianer wegen Schauspielerei heizte die Stimmung zusätzlich an: Mit aufgespannten Regenschirmen musste der Schiedsrichter beim Gang in die Kabine vor fliegenden Bierbechern und anderen Wurfgeschossen geschützt werden.
Dabei hatte Brych sowohl beim Platzverweis als auch beim annullierten Elfmeter regelkonform gehandelt. Bedenklicher war vielmehr der erneut schwache Auftritt der BVB-Profis: Erst nach dem Foul und Handspiel von Weidenfeller im Zweikampf gegen Jan Rosenthal (49.) außerhalb des Strafraumes ließen sie eine Trotzreaktion erkennen. Das stimmte Michael Zorc nachdenklich: «Es ist symptomatisch, dass die Mannschaft die Rote Karte als Weckruf gebraucht hat. Das zeigt, dass sie nicht frei ist und wie verunsichert sie ist.» Dennoch schloss der BVB-Sportdirektor eine rasche Trennung von van Marwijk aus: «Wir wollen den Weg mit ihm weiter gehen. Aber diese Trainerdiskussion schafft eine Alibi-Situation. Und die wollen wir nicht.» |