Dortmund auf dem Pulverpass
Dortmund (dpa) - 23.10.2006, 16:50 Uhr
BVB-Trainer Bert van Marwijk gibt den Spielern vom Spielfeldrand Anweisungen.
Jeder gegen Jeden. Bei Borussia Dortmund knistert vor dem DFB-Pokalspiel gegen Hannover die Luft. Verbale Scharmützel auf den unterschiedlichsten Ebenen sorgen seit Tagen für eine bedenkliche Außendarstellung. Kaum sind die gröbsten finanziellen Sanierungsarbeiten abgeschlossen, gibt es andere Groß-Baustellen. Nach dem x-ten Krisengespräch zwischen Trainer, Mannschaft und Vereinsführung fand Sportmanager Michael Zorc deutliche Worte: «Wir brauchen keinen Debattier-Club. Ich will nichts mehr hören, sondern gegen Hannover eine Reaktion sehen.» Ein Erfolg gegen die Norddeutschen in der 2. Pokalrunde tut Not. Längst ist die Geduld der Fans mit der Borussia aufgebraucht. Vor allem Trainer Bert van Marwijk, der den Club in den zurückliegenden Zeiten mit drohender Insolvenz vor einem sportlichen Absturz bewahrte, gerät immer mehr in Erklärungsnot. Weder beim Publikum, noch innerhalb der Mannschaft und der Vereinsführung ist der Niederländer unumstritten. Der Coach spürt den wachsenden Druck: «Ich tue mein Möglichstes. Wenn das nicht reicht, gehe ich nach Hause.»
Treueschwüre für den Coach aus der Chefetage sollen zu einer Deeskalation beitragen, klingen aber wenig überzeugend: «Es gibt keine Siegen-oder-fliegen-Konstellation bei uns. Ich bin voller Vertrauen, dass die sportliche Seite das Problem löst,» sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die laut Sportdirektor Zorc «jämmerlichen Erklärungen» einiger Spieler für den peinlichen Auftritt gegen Bochum brachten das Fass zum Überlaufen. Schon vorher hatten anonyme Klagen von Profis über die Ungleichbehandlung des Trainers das Klima vergiftet. Erneut trat Christian Wörns - wie schon bei seinen missverständlichen Äußerungen am 6. Spieltag über die mangelnde Fitness einiger Mitstreiter - als Hauptdarsteller in Erscheinung. Der Manndecker machte die berechtigte Kritik Watzkes an der Leistung des Teams für die schwache Vorstellung im Revier-Derby verantwortlich. Zwar zog er seine Aussagen nach einem Telefonat mit dem verstimmten BVB-Geschäftsführer reumütig zurück, konnte die Lawine aber nicht mehr stoppen. |