Hain der Elfer-Held - Präsident träumt von Italien
Bielefeld (dpa) - 26.01.2006, 13:15 Uhr
Offenbachs Sieger (vo) hockt nach verschossenem Elfer am Boden, Arminia jubelt.
Die Bielfelder Pokal-Festtage gehen weiter, und Arminen-Präsident Hans-Hermann Schwick ist seinem Traum von Europa erneut sehr nahe gekommen. «Einmal in Italien zu spielen - natürlich wäre das mein Traum. Wir wissen doch, dass wir den Einzug ins internationale Geschäft nur über die Fairnesswertung oder den Pokal schaffen können», sagte Schwick, der nach dem 4:2 im Elfmeterkrimi gegen Kickers Offenbach kurz ins Schwärmen geriet. Doch niemand muss sich ernsthaft Sorgen machen, dass der honorige Präsident abhebt: «Wir sind ostwestfälisch solide, sehr bodenständig. Wir wissen, wo wir stehen.» Dabei ist der Bundesliga-Elfte gar nicht mehr weit entfernt vom erstmaligen UEFA-Cup-Einzug. Etwas Losglück, ein Sieg im Halbfinale und dann am 29. April in Berlin im Endspiel gegen Bayern München - das wäre nach dem Geschmack der Bielefelder. Vor elf Monaten, als Arminia erstmals in der 100-jährigen Club-Geschichte ins Halbfinale einzog, klappte dies nicht. Die Bayern kamen schon im Semifinale in die Schüco Arena und revanchierten sich für die zuvor erlittene Bundesliga-Niederlage. «Ich möchte auf jeden Fall wieder ein Heimspiel. Aber die Bayern müssen es nicht unbedingt sein», sagte Schwick mit Blick auf die Auslosung. Zudem sind Eintracht Frankfurt und der Regionalligist St. Pauli im Topf, wobei die Amateure aus Hamburg in jedem Fall Heimrecht hätten.
Es war ein schönes Bild, wie die glücklichen Arminia-Profis nach 120 Minuten leidenschaftlichen Pokalfights (1:1) und dem Happy End im Elfmeterschießen mit den Schneeflocken um die Wette tanzten. Held des Abends war Torwart Mathias Hain, der die Strafstöße von Thorsten Judt und Stephan Sieger parierte. «In der Jugend war ich der Elfmeter-Killer. Seit ich bei den Senioren spiele, eigentlich nicht mehr», meinte der Keeper. Umso mehr freut er sich über seine Glanzparaden, die dem Club in der nächsten Runde eine Millionen-Einnahme und «weitere Reputation» (Schwick) einbringen werden: «Ich bin total glücklich, dass ich der Mannschaft mit meiner Leistung helfen konnte, nachdem sie in Unterzahl diesen enormen Aufwand betrieben hat.» Denn bereits nach 26 Minuten hatte Abwehrchef Marcio Borges nach einem Foul an Kickers-Stürmer Regis Dorn im Strafraum die Rote Karte gesehen. Mit dem fälligen Strafstoß brachte Judt (27.) den Zweitliga-Club überraschend in Front. Die Freude währte aber nicht lange: Isaac Boakye (28.) traf postwendend zum 1:1. In der Verlängerung vergab der Ghanaer zunächst den Sieg, als er per Foulelfmeter an OFC-Keeper Sead Ramovic scheiterte. Arminia-Coach Thomas von Heesen fiel nach dem Zittersieg ein Stein vom Herzen: «Das waren 100 Jahre Leidenschaft im Schnelldurchlauf von 120 Minuten.» Die Gäste präsentierten noch am Abend nach dem Spiel ihren neuen Trainer: Wolfgang Frank folgt auf den am 23. Januar entlassenen Hans-Jürgen Boysen.
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