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Pokalschreck St. Pauli schaltet auch SV Werder aus

Hamburg (dpa) - 25.01.2006, 22:45 Uhr

Fabian Boll (M) bejubelt mit seinen Teamkollegen sein Tor zum 2:1.
Fabian Boll (M) bejubelt mit seinen Teamkollegen sein Tor zum 2:1.

Pokalschreck FC St. Pauli hat eine weitere Cup-Sensation geschafft und ist zum ersten Mal in der Vereins-Geschichte ins DFB-Pokal-Halbfinale eingezogen.

Bei widrigen Platzverhältnissen auf einem schneebedeckten Boden kämpfte der forsche Regionalligist den großen Favoriten Werder Bremen bravourös 3:1 (1:1) nieder und eliminierte damit nach Wacker Burghausen, dem VfL Bochum und Hertha BSC bereits den vierten Profi-Club hintereinander.

Vor 19 800 begeisterten Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion sorgten Michel Mazingu-Dinzey (10.), Fabian Boll (59.) und Timo Schultz (65.) mit ihren Treffern für den neuerlichen Coup, der jedem Spieler 11 000 Euro Sonderprämie und dem klammen Club eine Millionen-Einnahme beschert. Für den fünfmaligen Cupsieger Bremen, dessen Ehrentor Johan Micoud (27.) erzielte, bedeutet das jähe Aus einen kapitalen Fehlstart in das neue Jahr. Symptomatisch für Werders schwache Leistung: Borowski scheiterte per Foulelfmeter an Achim Hollerieth und Valdez jagte den Nachschuss am leeren Tor vorbei (78).

«Wenn man solche Augenblicke wie diesen Sieg miterleben darf, ist das ein fantastisch. Das ist Freude pur», meinte Hollerieth nach dem Erfolg begeistert. Torwart-Kollege Andreas Reinke dagegen war total enttäuscht: «Das war nicht gerade ansehnlich. Wir wollten unbedingt weiterkommen, aber St. Pauli ist mit den schweren Verhältnissen einfach besser zurecht gekommen. Gratulation an die Paulianer.» Sein Trainer Thomas Schaaf war erzürnt, dass überhaupt angepfiffen wurde: «Das war unverantwortlich, fahrlässig», kritisierte er und kündigte etwaige Konsequenzen an: «Wir haben schon vor dem Spiel beim DFB unsere Meinung dokumentiert. Wir lassen uns so etwas nicht gefallen.»

Erst nach einer Platzbegehung rund vier Stunden vor dem geplanten Anpfiff stand fest, dass das mit Spannung erwartete Nord-Derby überhaupt angepfiffen werden konnte. Allerdings sorgte Schneefall am Abend für einen rutschigen Boden. Der Außenseiter war trotz der Kälte total «heiß» auf die Begegnung mit den Werderanern war, begann entsprechend engagiert und kam mit der ersten guten Gelegenheit zum 1:0, als Mazingu-Dinzey Florian Lechners Flanke einschoss. Andreas Reinke, der im Tor den Vorzug vor Tim Wiese erhielt, war machtlos.


Der Favorit benötigte eine längere Phase, ehe er auf Betriebs-Temperatur kam. Nach der ersten schönen Kombination passte Tim Borowski auf Micoud, der bei seinem erfolgreichen Abschluss jedoch knapp im Abseits stand. Kurz vor der Pause musste Nationalspieler Miroslav Klose, der auf den harten Boden geprallt war, wegen einer Schulterverletzung gegen Valdez ausgetauscht werden. Klose droht laut Schaaf («vielleicht ist etwas gerissen») eine dreimonatige Pause. Micoud (43.), Borowski (44./Latte) und Valdez (45./+1) verpassten vor der Pause noch gute Möglichkeiten für die nun überlegenen Gäste.

Nach dem Wechsel kontrollierten die Bremer zunächst weiter das Geschehen, doch der «Underdog» kämpfte sich in die Partie zurück. Dem die Weichen auf Erfolg stellenden 2:1 ging ein Reinke-Fehler voraus, der eine Flanke unterlief - Boll war zur Stelle und schoss ein. Sechs Minuten später traf Schultz erneut für die kessen St. Paulianer, die nun von ihren Anhängern enthusiastisch gefeiert wurden. Nach dem abgewehrten Strafstoß war auf dem nahen Kiez endgültig die Hölle los.

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