Stanislawski renoviert «Weltkulterbe» St. Pauli
Hamburg (dpa) - 25.01.2006, 13:53 Uhr
Ein St. Pauli-Fan feuert seine Mannschaft am Hamburger Millerntor an.
Im «Kampf um eine bessere Liga» ist Holger Stanislawski eine der besten Waffen des FC St. Pauli. Seit der ehemalige Profi vor zwei Jahren den Posten des Sportdirektors übernommen hat, darf der tief gestürzte Hamburger Club wieder auf die Rückkehr in den Profifußball hoffen. «Der Pokal ist eine kleine Unterbrechung der Vorbereitung», sagt der 36-Jährige angesichts der Prioritäten bei dem Regionalligisten. Denn trotz aller Pokalerfolge zählt für St. Pauli vor allem eines: Der Aufstieg in die 2. Liga. Auf 3,2 Millionen Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten der Hamburger. Es ist die schwere Last der turbulenten Jahre von 2001 bis 2004, als St. Pauli zuerst sensationell in die Bundesliga aufstieg, danach aber beinahe bis in die Oberliga durchgereicht worden wäre. Zwar half erstklassiges Marketing mit Aktionen wie den legendären «Retter»-T-Shirts - inzwischen sind 140 000 Stück verkauft - immer wieder vor dem endgültigen Aus. Doch auf Dauer hält der Mythos allein den schillernden Club nicht am Leben. «Die wirtschaftliche Gesundung ist nur in der 2. Liga möglich», sagt Stanislawski nüchtern. Er selbst hat großen Anteil daran, dass die Aussichten dafür so gut sind wie lange nicht. Die Mannschaft, die Stanislawski gemeinsam mit Cheftrainer Andreas Bergmann und Co-Trainer André Trulsen aufgebaut hat, steht auf dem dritten Tabellenplatz, nur zwei Punkte hinter einem Aufstiegsrang. Stanislawski hat in den Gesprächen mit den zumeist jungen Spielern besonders auf deren Charakter geachtet. «Die Spieler müssen brennen, müssen Siegermentalität haben, aber sie müssen sich in bestimmten Situationen auch unterordnen können.»
Das Ergebnis ist eine Mannschaft mit Gesicht. Typen wie Torwart Achim Hollerieth, Torjäger Felix Luz oder der bundesligaerfahrene Rückkehrer Thomas Meggle identifizieren sich voll mit dem Verein - und die Fans umgekehrt auch mit ihnen: Bei stolzen 16 800 Zuschauer liegt der Schnitt in der dritten Liga, und der Pokal hat die Euphorie rund um das baufällige Millerntor-Stadion weiter angeheizt. Dessen Tage dürften indes gezählt sein. Denn für Stanislawski ist der Bau eines neuen Stadions die dringendste Aufgabe. «Da kommen wir nicht drum rum - auch wenn die Bruchbude zum Mythos dazugehört.» Um den FC St. Pauli für die Zukunft zu rüsten, würde Stanislawski also selbst vor den Heiligtümern des selbst ernannten «Weltkulterbes» nicht Halt machen. Ob er die Pläne selbst vorantreiben kann, hängt allerdings auch davon ab, ob der Club zunächst an einer anderen Baustelle aktiv wird: Denn Stanislawski, der bislang ehrenamtlich tätig ist, wartet noch immer auf ein Vertragsangebot seines Vereins.
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