Pizarro bewahrte FC Bayern vor bösem Erwachen
München (dpa) - 25.01.2006, 12:33 Uhr
Die Spieler des FC Bayern München freuen sich über den Sieg gegen Mainz 05.
Aller Anfang ist schwer - auch für den nach drei Titeln strebenden FC Bayern München. «Das Glück bleibt uns treu», bemerkte Nationalspieler Michael Ballack erleichtert nach dem 120-minütigen Pokal-Kraftakt gegen den forsch aufspielenden Außenseiter FSV Mainz 05. Der Hinrunden-Dominator wankte beim 3:2 (1:1, 0:1)-Erfolg im Viertelfinale bedenklich. Aber die größere individuelle Klasse insbesondere des zweifachen Torschützen Claudio Pizarro bewahrte den Titelverteidiger beim Kaltstart nach der Winterpause vor einem bösen Erwachen. Zum 19. Mal zog der Rekord-Pokalsieger (12 Titel) ins Halbfinale ein, aber der moralische Sieger war der Verlierer. «Die Mainzer haben eine geile Mannschaft», lobte Bayern-Kapitän Oliver Kahn, «aber wir haben eiskalt zurückgeschlagen.» Der Peru-Sturm mit Pizarro (81./94.) und Paolo Guerrero (94.), der den einmal mehr erfolglosen Torjäger Roy Makaay in den Schatten stellte, verhinderte vor 53 000 frierenden Zuschauern in der Allianz Arena die nach den Mainzer Treffern von Mohamed Zidan zum 0:1 (21./Foulelfmeter) und Petr Ruman zum 2:2 (106.) greifbare Sensation. «Lieber gut gespielt und 'raus, als beschissen gespielt und 'raus», sagte FSV-Coach Jürgen Klopp.
Mainz verpasste den erstmaligen Einzug ins Pokal-Halbfinale, die Bayern sehen sich dagegen schon mit einem Bein erneut im Endspiel. «Wir sind schon bald in Berlin», frohlockte Torschütze Guerrero. Nur noch ein Sieg im Halbfinale ist nötig. «Die Ziele sind greifbar», sagte Ballack. Uli Hoeneß gewann insbesondere der Kraft raubenden Verlängerung Positives ab. «Ich bin froh, dass wir 120 Minuten spielen mussten, denn die Mannschaft hatte keinen Rhythmus. Sie musste richtig arbeiten», sagte der Manager, der deutliche Kritik übte: «In den ersten 45 Minuten waren wir gar nicht auf dem Platz.» |
Erst eine taktische Umstellung auf lange und hohe Bälle, die auf dem schwer bespielbaren Rasen laut Trainer Felix Magath das bessere Mittel waren, sowie mehrere personelle Umstellungen sorgten für die Wende. Die Hereinnahme von Martin Demichelis, Bastian Schweinsteiger und Guerrero erwies sich als Gewinn. Guerrero traf nach einer, so Magath, «weltmeisterschaftsreifen Vorarbeit» von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Demichelis sorgte im defensiven Mittelfeld für mehr Ordnung und bereitete zudem das 1:1 von Pizarro vor. «Die Einwechselspieler haben Schwung reingebracht», lobte Magath. Insbesondere Edel-Joker Guerrero erhöhte nochmals den Druck auf Makaay, auch wenn der 22-Jährige öffentliche Forderungen nach einem Stammplatz beharrlich vermied. «Paolo hat gezeigt, dass er der Mannschaft sehr viel geben kann», lobte Hoeneß den Peruaner. «Er war sehr durchsetzungsfähig», sagte auch Magath, aber an der Hierarchie unter den drei Stürmern ändert sich vorerst nichts. Makaay genießt weiterhin Artenschutz. «Er bleibt gesetzt», bestätigte Magath. «Roy fehlt das Tor. Aber er hat gut gearbeitet», kommentierte Hoeneß. Erstklassige Arbeit lieferten die Mainzer ab, aber Klopp sprach den entscheidenden Mangel offen an: «Wenn man die Bayern schlagen will, muss man seine wenigen Chancen nutzen.» Nicht umsonst sucht der Tabellen-14. weiterhin eine Verstärkung für den Angriff. «Die Mainzer haben wie eine Klassemannschaft gespielt», meinte auch Hoeneß: «Aber offenbar machen sie das nur gegen uns so, sonst hätten sie mehr als 16 Punkte.» Optimismus für den Bundesliga-Abstiegskampf schöpften die Mainzer Profis dennoch aus den 120 Pokal-Minuten. «Die Niederlage gibt uns auf keinen Fall einen Knacks», erklärte Stürmer Benjamin Auer.
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