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Geschäft mit Pokal-Karten: Schwarzmarkt weiß gewaschen

Frankfurt/Main (dpa) - 09.05.2012, 14:01 Uhr

Die Tickets für das DFB-Pokalfinale sind heiß begehrt. Foto: Maurizio Gambarini
Die Tickets für das DFB-Pokalfinale sind heiß begehrt. Foto: Maurizio Gambarini

Geschlossene Gesellschaft im weiten Rund des Berliner Olympiastadions: Wer zum Kreis der 75 000 Zuschauer am Samstag beim DFB-Pokal-Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund gehört, muss gute Beziehungen haben, Glück - oder ziemlich viel Geld.

Nicht einfacher, sondern immer schwieriger wird es in Zeiten der Verkaufsplattformen im Internet, an Tickets zu kommen. Der Schwarzmarkt findet nicht mehr vor den Stadiontoren statt, sondern im Netz - zum Leidwesen auch des Deutschen Fußball-Bundes.

Jeweils 20 000 Eintrittskarten für den Endspielschlager gingen an die beiden Finalisten. 35 000 verteilte der Verband, ein Großteil davon geht an die sogenannte «DFB-Familie» - an Prominente, Profivertreter oder Ehrenamtliche. 11 000 landen im offenen Verkauf. Besser gesagt: Da viele Hunderttausend Interesse hatten, eröffnete der DFB «das berühmteste Losverfahren im deutschen Fußball». Daran nahmen jedoch nicht nur normale Fußball-Anhänger teil, sondern vor allem Personen, die mit ihren Karten Geld verdienen wollen und sie teurer vertickten.

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«Der Ticket-Schwarzmarkt hat sich auf die Resale-Plattformen im Internet verlagert. Es gibt dort unendlich viele Angebote von Geschäftemachern, die den normalen Fan verdrängt haben. Ich schätze mal, das Verhältnis liegt inzwischen bei 90:10», sagte der Münchner Sportanwalt Martin Stopper, der unter anderem für den DFB das Ticketing rechtlich überwacht, der Nachrichtenagentur dpa. «Die Gewinnchancen sind bei begehrten Tickets einfach zu hoch.»

Bei den Online-Ticketbörsen wie Viagogo, Seatwave oder Ventic floriert jedenfalls das Geschäft. Nach DFB-Angaben kosten die normalen Pokalkarten zwischen 35 und 125 Euro, das teuerste VIP-Ticket 1000 Euro. Seatwave bietet beispielsweise zwei Karten für die Gegengerade für 609 Euro. Bei Viagogo wird schon für Block D 3 eine Karte für 1200 Euro angeboten. Der Käufer muss aber insgesamt 1427,15 Euro bezahlen, inklusive Lieferung und Mehrwertsteuern - und einer Gebühr in Höhe von 180 Euro. «Solche Plattformen - es gibt inzwischen über ein Dutzend - verdienen durch Gebühren ordentlich mit», sagte Stopper.


Dabei ist der Weiterverkauf der Tickets im Internet und zu überhöhten Preisen nach den Geschäftsbedingungen verboten. Dieser Hinweis ist auch auf den begehrten Einlasspapieren aufgedruckt. «Der DFB toleriert den Schwarzmarkthandel in keinem Fall, sondern trifft geeignete Maßnahmen, um diese Problematik zu bekämpfen», sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. «Die Verfolgung von Schwarzmarkthändlern ist aber mit einigen Schwierigkeiten verbunden, vor allem beim Vorgehen gegen Internet-Ticketportale, die keine DFB-Direktkunden sind.»

Der Verband lässt schon mal Angebote bei Ebay löschen, wenn es rechtlich möglich ist. Die Online-Ticketbörsen verstoßen aber nicht gegen Wettbewerbsrecht, wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) bestätigt hat. «Die Plattformen waschen den Schwarzmarkt in verfehlter Weise weiß. Aus meiner Sicht wäre ein Ticketschutzgesetz wie in England hilfreich, dort steht der Wiederverkauf von Eintrittskarten unter Strafe», meint Stopper.

Personalisieren kann der DFB seine Karten nach eigenen Angaben nur in Ausnahmefälle, wie zum Beispiel bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft. Der Aufwand vor allem für die notwendigen Kontrollen sei nur bei bis zu 2000 Karten pro Spiel machbar.

So laufen die Geschäfte mit den begehrten Tickets - nicht nur im Fußball - ungehindert weiter. «Sollten Sie die bestellten Karten bis zum Veranstaltungstag nicht erhalten, so garantieren wir Ihnen die Rückzahlung von 100 Prozent des Auftragswertes» - so wirbt Ventic. Auch Viagogo kassiert Gebühren und verspricht im Gegenzug: «Sobald sie auf "Ticket(s) kaufen" geklickt haben und Ihre Zahlungsmethode autorisiert worden ist garantieren wir, dass Sie die gekauften Tickets rechtzeitig erhalten.» Man sei nicht der Verkäufer der Tickets, sondern werbe die Karten von Drittanbietern an. Die Preise könnten «vom Originalpreis abweichen».

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