Jupp Heynckes war nach dem Unentschieden in Hamburg noch weit entfernt von Panikmache und Aktionismus. «Klar wären wir lieber Spitzenreiter. Aber zum jetzigen Zeitpunkt heißt das noch nicht all zu viel.» Einerseits hat der erfahrene Trainer recht, andererseits gibt es erste Alarmzeichen, die Stimmung wird gereizter. «Wir müssen jetzt immer gewinnen, sonst fährt der Zug in Richtung Meisterschaft ohne uns ab», mahnte Nationalspieler Thomas Müller. Es muss ganz schnell klick machen, die Verunsicherung nimmt zu. Hinten ist die Stabilität verschwunden, es fehlen im vermeintlichen Luxuskader zudem die personellen Alternativen. Immerhin steht Rafinha in Stuttgart wieder als rechter Verteidiger zur Verfügung. Überraschend knirscht es auch im Angriff gewaltig. Lahm bemängelt das «Durchsetzungsvermögen im letzten Drittel» des Spielfeldes, Müller beklagt «zu viel Klein-Klein vor dem Tor». Muss Heynckes die Offensive umbauen? Mit Toni Kroos als Zehner lief es in der Hinrunde blendend, aber dann müsste sich der Trainer in der offensiven Dreierreihe zwischen Müller und Robben für den rechten Flügel entscheiden. Erfolg ist in München wichtiger als Rücksichtnahme auf große Namen, das weiß auch Heynckes nur zu gut. «Beim FC Bayern müssen sie ihre Spiele gewinnen», hatte der 66 Jahre alte Coach im Winter-Trainingslager einmal beiläufig erwähnt. Immerhin müssen die Bayern die quälenden Selbstzweifel nicht die ganze Woche mit sich herumschleppen. Schon Mittwoch bietet sich die Chance, mit einem Erweckungserlebnis im Pokal die angespannte Lage zu beruhigen. «Wir brauchen vielleicht nur ein Spiel, dass alles läuft», bemerkte Robben, der persönlich womöglich befreiter aufspielen kann; seine Frau Bernadien brachte in der Nacht zum Montag Sohn Kai auf die Welt. Lahm klammert sich an einen anderen Strohhalm: «Es wird uns helfen, dass jetzt die Englischen Wochen kommen. Dann kommen wir auch wieder in Fahrt.»
 |