Ronaldo-Drama: Erst verletzt raus, dann Triumphator

Saint-Denis (dpa) - 10.07.2016, 23:42 Uhr
Ronaldo-Drama: Erst verletzt raus, dann Triumphator
Nach dem Foul von Dimitri Payet greift sich Cristiano Ronaldo sofort ans Knie. Foto: Peter Kneffel

Was für ein Drama! Wieder Final-Tränen bei Cristiano Ronaldo. Erst vor Schmerzen, dann aus Freude über den ersehnten Titel.

Der erste Akt: Mit schmerzverzerrtem Gesicht und bitter weinend wird Portugals Superstar beim EM-Endspiel gegen Frankreich in der 25. Minute von Sanitätern vom Feld getragen.

Der Schock kommt schon nach sieben Minuten. Ein harter Zweikampf mit Dimitri Payet. Der Franzose rammt Ronaldo um, trifft das linke Knie. Schiedsrichter Mark Clattenburg pfeift nicht. Portugals Teamarzt ist schnell auf dem Platz. Die Fans halten den Atem an. Und haben Hoffnung. Ronaldo macht zunächst weiter - doch die Signale sind eindeutig.

Der 31-Jährige ist sichtlich eingeschränkt in seinen Bewegungen. Nach knapp 20 Minuten lässt er sich das Gelenk bandagieren, kehrt noch einmal auf das Spielfeld zurück. Doch dann das unmissverständliche Signal. Er wirft seine Spielführerbinde auf den Rasen. Sogar die Gegner Paul Pogba und Blaise Matuidi trösten ihn. Vor zwölf Jahren hatte Ronaldo als 19-Jähriger nach dem 0:1 im EM-Finale gegen Griechenland bitter geweint. Und jetzt dieses jähe Aus. Der große Traum vom Titel mit Portugal - und er kann nicht mehr helfen.

Und ob er helfen kann. Vor Anpfiff der Verlängerung ist Ronaldo wieder da. Mit einer Kniemanschette bandagiert, umarmt er seine Kollegen, streichelt Köpfe, motiviert. Vor Raphael Guerreiros Freistoß (108.) übernimmt er quasi die Anweisungen von Trainer Fernando Santos. Dann trifft Eder - und Ronaldo weint vor Glück. Er hüpft durch die Coaching Zone, gibt Anweisungen, ist nicht mehr zu halten.

Gut zwei Stunden zuvor: Das schmerzhafte Ende eines Turniers, das er an diesem lauen Abend im Norden von Paris krönen will. Und das dann Eder für ihn krönt. Cristiano Ronaldo hatte wie immer polarisiert. Ein schwacher Start gegen Island, inklusive Lästereien über den kleinen Gegner. Ein Elfmeterfehlschuss bei der Nullnummer gegen Österreich - dann aber zwei Tore gegen Ungarn, die Portugal als Gruppendritter den Einzug ins Achtelfinale sicherten.

Im K.o.-Duell mit Kroatien fügte er sich der Teamorder - absolute Defensive. Im Viertelfinale gegen Polen das gleiche Muster. Und dann der spektakuläre Kopfballtreffer im Halbfinale gegen Wales. Der neue EM-Rekordspieler stellte mit Treffer Nummer neun auch den Uralt-Torrekord von Michel Platini aus dem Jahr 1984 ein. Brechen konnte er ihn bei diesem Turnier nun nicht mehr. Sein Trainer Fernando Santos hatte aber schon gesagt: Ronaldo wird noch viele Jahre für Portugal spielen.

Die EM ist auch Ronaldos Bühne für alles, was nur bedingt mit Fußball zu tun hat. Er spaltet die große Fan-Gemeinde. Sympathisch, wie viel Zeit er sich nimmt, für freche Flitzer, die ein Selfie mit ihm wollen. Die Witwe von Ex-Profi Stefano Borgonovo lädt er zum Finale ein. Medial gut platziert erklärt er, warum er als Blutspender kein Tattoo hat. Doch da sind auch die anderen Bilder. Der eitle Poser nach seinem Kopfballtor gegen Wales. Das Lamentieren auf dem Platz. Der Schnösel, der genervt ein Reportermikro in einen See wirft.

Nun bleibt auch dieses EM-Bild von Ronaldo hängen: Ein Häuflein Elend auf dem Rasen in Saint-Denis - auch noch mit einem der vielen lästigen Falter im Gesicht, die durch die Endspiel-Arena fliegen. Und wenige Stunden später das große Glück.

Zehn Jahre musste er bei WM- und EM-Spielen nicht ausgewechselt werden. Im EM-Finale reichte es nur zu acht Ballkontakten, zählen die Statistiker schnell. Der im Halbfinale besiegte Teamkollege von Real Madrid, Gareth Bale, schreibt bei Twitter: «Schrecklich, Cris so runtergehen zu sehen. Hoffe, es ist nichts zu Schlimmes.» Wie schlimm die Verletzung ist, ist am Abend noch unklar. Doch der Triumph von Saint-Denis vertreibt alle Schmerzen.

französische News auf Verbandsseite

Kalender

Rekordstatistiken

Französischer Verband bei Facebook

Französischer Verband bei Twitter

Französische Nationalmannschaft bei Twitter

Französische Nationalmannschaft bei Facebook

Infos zum portugiesischen Team - Englisch

Homepage des portugiesischen Verbands

Portugals EM-Team

Spielerprofil Cristiano Ronaldo

Tweet UEFA