Ronaldo-Drama: Superstar unter Tränen verletzt vom Feld

Saint-Denis (dpa) - 10.07.2016, 22:33 Uhr
Ronaldo-Drama: Superstar unter Tränen verletzt vom Feld
Nach dem Foul von Dimitri Payet greift sich Cristiano Ronaldo sofort ans Knie. Foto: Peter Kneffel

Was für ein Drama! Wieder Final-Tränen bei Cristiano Ronaldo. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und bitter weinend wurde Portugals Superstar beim EM-Endspiel gegen Frankreich in der 25. Minute von Sanitätern vom Feld getragen.

Der Schock kommt schon nach sieben Minuten. Ein harter Zweikampf mit Dimitri Payet. Der Franzose rammt Ronaldo um, trifft das linke Knie. Schiedsrichter Mark Clattenburg pfeift nicht. Portugals Teamarzt ist schnell auf dem Platz. Die Fans halten den Atem an. Und haben Hoffnung. Ronaldo macht zunächst weiter - doch die Signale sind eindeutig.

Der 31-Jährige ist sichtlich eingeschränkt in seinen Bewegungen. Nach knapp 20 Minuten lässt er sich das Gelenk bandagieren, kehrt noch einmal auf das Spielfeld zurück. Doch dann das unmissverständliche Signal. Er wirft seine Spielführerbinde auf den Rasen. Sogar die Gegner Paul Pogba und Blaise Matuidi trösten ihn. Vor zwölf Jahren hatte Ronaldo als 19-Jähriger nach dem 0:1 im EM-Finale gegen Griechenland bitter geweint. Und jetzt dieses jähe Aus. Der große Traum vom Titel mit Portugal - und er kann nicht mehr helfen.

Es ist das schmerzhafte Ende eines Turniers, das an diesem lauen Abend im Norden von Paris krönen wollte. Cristiano Ronaldo hatte wie immer polarisiert. Ein schwacher Start gegen Island, inklusive Lästereien über den kleinen Gegner. Ein Elfmeterfehlschuss bei der Nullnummer gegen Österreich - dann aber zwei Tore gegen Ungarn, die Portugal als Gruppendritter den Einzug ins Achtelfinale sicherten.

Im K.o.-Duell mit Kroatien fügte er sich der Teamorder - absolute Defensive. Im Viertelfinale gegen Polen das gleiche Muster. Und dann der spektakuläre Kopfballtreffer im Halbfinale gegen Wales. Der neue EM-Rekordspieler hat mit Treffer Nummer neun auch den Uralt-Torrekord von Michel Platini aus dem Jahr 1984 eingestellt. Brechen konnte er ihn bei diesem Turnier nun nicht mehr. Sein Trainer Fernando Santos hat aber schon gesagt: Ronaldo wird noch viele Jahre für Portugal spielen.

Die EM ist auch Ronaldos Bühne für alles, was nur bedingt mit Fußball zu tun hat. Er spaltet die große Fan-Gemeinde. Sympathisch, wie viel Zeit er sich nimmt, für freche Flitzer, die ein Selfie mit ihm wollen. Die Witwe von Ex-Profi Stefano Borgonovo lädt er zum Finale ein. Medial gut platziert erklärt er, warum er als Blutspender kein Tattoo hat. Doch da sind auch die anderen Bilder. Der eitle Poser nach seinem Kopfballtor gegen Wales. Das Lamentieren auf dem Platz. Der Schnösel, der genervt ein Reportermikro in einen See wirft.

Nun bleibt dieses letzte EM-Bild von Ronaldo hängen: Ein Häuflein Elend auf dem Rasen in Saint-Denis - auch noch mit einem der vielen lästigen Falter im Gesicht, die durch die Endspiel-Arena fliegen. Zehn Jahre musste er bei WM- und EM-Spielen nicht ausgewechselt werden. Im EM-Finale reichte es nur zu acht Ballkontakten, zählen die Statistiker schnell.

Zahlreiche Fußballstars haben Ronaldo unmittelbar danach auf Twitter Mut gemacht. Eine Auswahl:

Der Waliser GARETH BALE schrieb über seinen Teamkollegen von Real Madrid: «Schrecklich, Cris so runtergehen zu sehen. Hoffe, es ist nichts zu Schlimmes.»

Deutschlands Rekordnationalspieler LOTHAR MATTHÄUS twitterte auf Englisch: «Wie schade für Cristiano und ein riesiger Rückschlag für Portugal, dessen Aufgabe jetzt noch schwieriger ist.»

«Du bist der Beste in der Welt, Bruder. Força Cristiano», schrieb RAUL MEIRELES, ein früherer Mannschaftskamerad von Ronaldo in der Nationalelf.

NUNO GOMES, ein weiterer ehemaliger portugiesischer Nationalspieler, schrieb: «Du bist großartig! Auf dass du schnell wiederkommst! Danke Cris!»

Die schwedische Sängerin ZARA LARSSON, die Minuten vor dem Finale noch bei der Abschlussfeier auf dem Platz des Stade de France gestanden hatte, reagierte fassungslos: «Ronaldo??!!!»

Italiens früherer Stürmerstar ALESSANDRO DEL PIERO machte Ronaldo Mut: «Forza Cristiano!»

Englands ehemaliger Nationalverteidiger RIO FERDINAND schrieb: «Schade, wenn Ronaldo runter muss. Bei einem Finale will man die großen Spieler auf dem Platz sehen.»

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