Lübeck (dpa) - 21.05.2008, 14:53 Uhr
Fußball-Regionalligist VfB Lübeck kämpft weiter ums Überleben. Der Abstieg ist schon seit Wochen besiegelt, die Spieler beziehen ihre Gehälter vom Arbeitsamt, die Gläubiger stehen Schlange - doch der Verein gibt nicht auf.
Ob der Traditionsclub die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die neue dreigeteilte Regionalliga erfüllen kann, ist allerdings fraglich. Über die Art der Auflagen wollte Insolvenzverwalter Mark Zeuner keine Angaben machen. «Der Antrag des VfB wurde nicht abgelehnt, jetzt gilt es alles dafür zu tun, um den weiteren Spielbetrieb zu sichern», sagte der Hamburger Rechtsanwalt.
Die Lübecker versuchen mit aller Macht, die Misere in den Griff zu bekommen - und haben dabei prominente Unterstützung. Nach dem Zweitligisten FC St. Pauli gastiert der Bundesligist Hannover 96 auf der Lohmühle, um Geld für die Lübecker einzuspielen. Mit Spendenaktionen und weiteren Initiativen versuchen die Anhänger ihren Teil zur Rettung beizutragen. Sportdirektor Dietmar Hirsch zeigt sich zuversichtlich. «Ich gehe fest davon aus, dass wir die Aufgabe stemmen», betonte der frühere Bundesliga-Spieler. Hirsch hat aber bereits verkündet, dem Verein nur im Erfolgsfall erhalten zu bleiben.
Den Club drücken Verbindlichkeiten in Höhe von rund vier Millionen Euro, die Verantwortlichen reichten bereits im April einen Insolvenzantrag ein. Im schlimmsten Fall droht die Liquidierung und die Entfernung aus dem Vereinsregister. Bis zum 6. Juni haben die Lübecker Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen. Knackpunkt dürfte die Bürgschaft über rund 500 000 Euro sein, die der Verein für die vierte Liga vorweisen muss. Die Lübecker haben davon aber erst etwa 200 000 Euro auftreiben können. «Wir werden mit allen Mitteln versuchen, unser Ziel zu erreichen. Lübeck gehört in die vierte Liga, auch wenn wir dort sicherlich zu den Abstiegskandidaten zählen werden», sagte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Piest.
Mit Blick auf die leeren Kassen läuft es allerdings wohl eher auf den Zwangsabstieg in die Verbandsliga Schleswig-Holstein hinaus. In den vergangenen drei Monaten konnten die Spielergehälter nur mit Unterstützung des Arbeitsamtes überwiesen werden. Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Anschluss an die Auflagenfrist müssten sich die Gläubiger mit etwa fünf Prozent ihrer verliehenen Summe begnügen.
Trotz der ungewissen Zukunft hat der Verein bereits zehn Spieler für die nächste Saison an sich binden können. Dagegen kündigte der zuletzt so starke Torhüter Achim Hollerieth seinen Weggang an. «Wir konnten uns finanziell nicht einigen», sagte Hirsch den «Lübecker Nachrichten» (Mittwoch-Ausgabe). «Außerdem wollte Achim nicht warten, bis wir die Lizenz bekommen.» Hollerieth dürfte nicht der einzige Akteur sein, den der andauernde Überlebenskampf zum Gehen veranlasst.