Leipzig (dpa) - 26.07.2007, 11:18 Uhr
Die Fußball-Regionalliga Nord startet mit dem Spiel Hamburger SV II gegen SG Dynamo Dresden in eine Saison der Rekorde. Die Angst der Vereine, die richtungweisende Qualifikation für die neue eingleisige 3. Profiliga zu verpassen, sorgt bereits vor dem Startschuss für Höchstmarken.
Die Clubs gehen mit einem um insgesamt fast 24 Prozent erhöhten Etat in die Saison. Und auch die Zahl der Spielerwechsel ist in der achten und letzten Nord-Saison Rekord. «Es gilt, die strukturellen Rahmenbedingungen für die Drittligisten zu verbessern und die Spielklassenpyramide im deutschen Fußball zu harmonisieren», erklärt Willi Hink die Einrichtung der 3. Liga zur Saison 2008/09. Hink ist beim Deutschen Fußball Bund (DFB) für die Gesamtkoordination der professionellen dritten Spielklasse zuständig.
Während der Gesamtetat aller Liga-Teams laut dpa-Umfrage in der vergangenen Spielzeit noch mit 34,75 Millionen beziffert wurde, gehen die Clubs mit der Rekordsumme von insgesamt 43,04 Millionen Euro in die kommende Saison. Die Vereine, die von den meisten Trainern als Aufstiegsfavoriten genannt werden, haben dabei auch das meiste Geld zur Verfügung. Eintracht Braunschweig mit sechs Millionen Euro und Dynamo Dresden mit 5,6 Millionen Euro Etat sind Ligaspitze. Dahinter folgen der 1. FC Union Berlin (4,1), Zweitliga-Absteiger Rot-Weiss Essen (4,0) und der 1. FC Magdeburg (3,34).
Einhergehend mit dem gewachsenen Finanzvolumen haben auch deutlich mehr Spieler die Vereine gewechselt. Das führte zu einem neuen Spitzenwert: 207 Neuzugänge und 207 Spielerabgaben wurden bei den 19 Teams gezählt. Den Wechselrekord hält Eintracht Braunschweig: Mehr als zwei komplette Teams, nämlich 26 Spieler, verließen den Zweitliga-Absteiger. 16 neue Akteure bilden gemeinsam mit vier verbliebenen Spielern den neuen Kader. Statt auf große Namen und alternde Stars setzten die Vereine vermehrt auf junge Spieler.
In der Diskussion um Sinn- und Zweck der 3. Profiliga bringt Norbert Meier, Trainer von Dynamo Dresden, die Meinung fast aller Trainer auf den Punkt: «Die 3. Profiliga ist für die jetzigen Regionalligisten sportlich und wirtschaftlich überlebensnotwendig.» Ab der nächsten Saison erhält jeder Drittligist etwa 350 000 Euro mehr an TV-Geldern. Da die neue 3. Liga eine reine Berufsspielerliga werden soll, hat der DFB beschlossen, dass sich nur vier zweite Mannschaften der Bundesligisten für die 3. Liga qualifizieren können.
Falls am Ende mehr als vier zweite Mannschaften auf den Plätzen drei bis acht landen, muss das am schlechtesten platzierte Team zu Gunsten einer ersten Mannschaft verzichten. In der Saison darauf wird diese Regelung wieder aufgehoben. DFB-Koordinator Hink stellt klar: «Wir mussten einen Kompromiss zwischen den finanziellen Interessen der Vereine und dem Anspruch der 3. Liga auf der einen und der Nachwuchsförderung auf der anderen Seite finden. Damit sich ehrgeizige, junge Spieler in den zweiten Mannschaften weiterentwickeln, müssen sie auch aufsteigen dürfen.»