Lübeck (dpa) - 05.06.2005, 15:32 Uhr
Nach dem traurigsten Sieg der Vereinsgeschichte steht der VfB Lübeck vor einer schwierigen Zukunft.
Mit 1:0 gewann der Fußball-Regionalligist das Auswärtsspiel gegen den Chemnitzer FC, doch zum erträumten Aufstieg in die 2. Liga reichte es wegen der Erfolge von Eintracht Braunschweig und des SC Paderborn nicht. Tränen kullerten über die Wangen einiger Spieler und Teammanager Klaus Borchert war fassungslos: «So einen traurigen Sieg habe ich noch nie erlebt.»
Mit einem Schlag hätten sich die Lübecker eines Teils der Finanzsorgen entledigen können, denn über Fernsehgelder wäre bei einem Aufstieg mehr Geld in die Vereinskasse geflossen. «Die Regionalliga ist kaum noch zu finanzieren», sagte Wirtschaftsratsvorsitzender Günter Schütt, der Ende des Monats aus dem Amt ausscheidet. Wie in dieser Saison plant der VfB aber auch künftig mit einem Etat von 2,95 Millionen Euro. «Wir setzen uns in der kommenden Woche zusammen und beraten die Lage», erklärte Geschäftsführer Jürgen Springer, der auf einen Hauptsponsor hofft. Seit einem Jahr ist das Leibchen der Lübecker leer.
Leer waren auch die Blicke der Lübecker Fußballer nach dem 1:0, denn durch das 3:2 der Braunschweiger wurden die Sportler aus Schleswig-Holstein jäh aus ihrem Traum vom Aufstieg gerissen. «Braunschweigs Zittersieg ist ein Schlag in unser Gesicht», stammelte Innenverteidiger Florian Thorwart. Riesengroß war die Enttäuschung auch bei Trainer Stefan Böger: «Da gewinnen wir ein Spiel und sind doch der große Verlierer», sagte er. Seine lobenden Worte waren angesichts des enttäuschenden Ausgangs einer spannenden Saison fast jedem egal: «Ich bin mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden.»
Ausgelassen feierte dagegen die Chemnitzer den Klassenverbleib, den sich die Sachsen knapp gesichert hatten. «Lübeck hat gewonnen und ist der Verlierer. Wir haben verloren und sind die Gewinner», sagte der Chemnitzer Trainer Dietmar Demuth angesichts von Freudentänzen seiner Spieler und trauriger Minen der Lübecker. Das letztlich wertlose Siegtor erzielte Lars Kampf vor 5075 Zuschauer bereits in der vierten Minute.