Paris (dpa) - 17.08.2010, 13:58 Uhr
Die französischen WM-«Sünder» sind zum letzten Rapport angetreten. Die Fußball-Profis Patrice Evra, Eric Abidal und Jérémy Toulalan wurden am Sitz des Französischen Fußball-Verbandes (FFF) in Paris wegen ihrer mutmaßlich führenden Rolle beim Trainingsboykott in Südafrika angehört.
Der ebenfalls zitierte Franck Ribéry wurde laut Medien von Anwälten vertreten, da sein Verein FC Bayern München ein Erscheinen untersagt hatte. Auch Stürmer Nicolas Anelka präsentierte sich zunächst nicht. Als Zeugen wurden unter anderem WM-Trainer Raymond Domenech und der nach der Blamage zurückgetretene Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes befragt. Mögliche Urteile der FFF-Disziplinarkommission wurden frühestens am späten Abend erwartet.
Die Spieler der «Équipe tricolore» hatten am 20. Juni im WM- Quartier in Knysna mit einem Trainingsstreik gegen den Ausschluss von Anelka protestiert. Der Chelsea-Profi war vorzeitig nach Hause geschickt worden, weil er Domenech in der Halbzeit des Mexiko-Spiels (0:2) wüst beschimpft hatte. Der Weltmeister von 1998 schied inmitten weiterer Querelen nach der Vorrunde sieglos aus.
Die 23 WM-Fahrer wurden bereits vom neuen Nationalcoach Laurent Blanc für das erste Freundschaftsspiel in Norwegen (1:2) gesperrt. Nicht wenige Prominente aus Politik und Fußball in Frankreich wollen aber, dass die Hauptverantwortlichen für den Skandal individuell bestraft werden. Ex-Nationalspieler Lilian Thuram fordert als FFF-Vorstandsmitglied eine Verbannung von WM-Kapitän Evra. «Er soll nie mehr für Frankreich spielen», sagte der Weltmeister von 1998.
Gervais Martel, ebenfalls Verbandsvorstand und Präsident des RC Lens, spricht sich dagegen dafür aus, dass ein Schlussstrich gezogen wird: «Sollen wir denn alle an die Wand stellen und ihnen die Beine mit einem Baseballschläger zertrümmern?», fragt Martel. Die Medien schlossen allerdings mehrmonatige Nationalelf-Sperren nicht aus.