«Glück ist eine andere Bezeichnung für Willensstärke», nennt der DFB-Leitwolf auf der Nationalmannschafts-Homepage sein Credo. Dass ihm selbst das Pech anhaftet, konterkariert das eigene Motto. Denn an Einsatz ließ es der 98-malige Nationalspieler (42 Tore) nie mangeln. Sein mit Gelb bestraftes Not-Foul im WM-Halbfinale gegen Südkorea (1:0) kurz vor seinem Siegtreffer war Startschuss einer schmerzhaften Historie. Im Endspiel gegen Brasilien (0:2) war Ballack gesperrt. Zuvor hatte er mit Bayer Leverkusen das Vize-Triple in Meisterschaft, Pokal und Champions-League hingelegt - doch es blieben ja im Frühsommer einer hoffnungsvollen Karriere noch viele Chancen. Das Ballack'sche Final-Trauma setzte sich allerdings fort. Bei der Heim-WM 2006 wurde der Einzug ins Sommermärchen-Endspiel gegen Italien (0:2 n.V.) in letzter Sekunde verspielt, 2008 bei der EM war Spanien (0:1) übermächtig und Ballack so gefrustet, dass er sich noch auf dem Rasen zu einem verbalen Disput mit Teammanager Oliver Bierhoff hinreißen ließ. Noch bitterer als die finalen Nationalmannschaftspleiten war für den gebürtigen Sachsen, der als Kind Altpapier und Flaschen sammelte, um sein Taschengeld aufzubessern, die Reise nach Moskau mit dem FC Chelsea im Mai 2008. Nach sechs Jahren endlich wieder im Champions League-Finale angekommen, fehlte im Elfmeterschießen gegen Manchester United noch ein Treffer, doch John Terry schoss an den Pfosten - wieder jubelten die Gegner und Ballack weinte im strömenden Regen wie ein kleiner Junge. Ausgerechnet in einem Finale könnte nun der Vorhang für den vielleicht kopfballstärksten Mittelfeldakteur gefallen sein. Die Verletzung nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng wirft Fragen nach der Karrierefortsetzung auf. Die Mediziner versprechen völlige Heilung, doch der Vertrag in Chelsea läuft diesen Sommer aus. 2012 bei der EM in Polen und der Ukraine wäre Ballack 35 Jahre alt, 2014 bei der WM in Brasilien endgültig im Fußball-Rentenalter.
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