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Italien träumt von Fußball-Renaissance

Berlin (dpa) - 07.07.2006, 14:16 Uhr

Fabio Grosso (r) wird nach seinem Treffer gegen Deutschland bejubelt.
Fabio Grosso (r) wird nach seinem Treffer gegen Deutschland bejubelt.

«Viva Italia!» Im WM-Finale gegen Frankreich wollen die vom Manipulationsskandal und Pessottos Selbstmordversuch gebeutelten «Azzurri» ihre unerwartete Fußball-Renaissance mit dem vierten Weltmeistertitel krönen.

«Einen Schritt noch und wir gehen in die Geschichte ein», sagte Halbfinal-Held Fabio Grosso. 24 Jahre nach dem letzten WM-Triumph in Spanien 1982 geht es für Italien um mehr als nur um die Revanche für das verlorene EM-Finale 2000 gegen Frankreich und ein glorreiches «Addio» für Trainer Marcello Lippi und die abtretenden Superstars Francesco Totti und Alessandro Del Piero. In Berlin kämpft Italien um die Wiederherstellung seiner Ehre.

«Ihr seid der Neuanfang», lobte der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, die «Azzurri» vor ihrem sechsten WM-Endspiel. Die Tifosi sollen nochmal jubeln dürfen, danach kommt es knüppeldick: Das FIGC- Sportgericht Rekordmeister wird am 10. Juli Juventus Turin so gut wie sicher und den AC Mailand, Lazio Rom und den AC Florenz möglicherweise zum Zwangsabstieg verurteilen. Diese Clubs stellen mehr als die Hälfte der Nationalelf. Dennoch hat Juve-Kapitän Alessandro Del Piero keine Sorge, dass den «Azzurri» die Angst um ihre Arbeitsplätze in Berlin die Beine lähmt: «Der Skandal motiviert uns nur noch mehr», sagte der Stürmer, den Lippi wie beim 2:0-Halbfinalsieg gegen Deutschland als Joker bringen will. Die in Italien aufgekommene Idee einer Generalamnestie im Falle des WM-Sieges lehnt Gennaro Gattuso ab: «Wer Fehler gemacht hat, muss zahlen», sagte Italiens Kämpfer im Mittelfeld.

250 000 Euro Prämie erwartet jeden der «Azzurri» im Falle des Titelgewinns. Als Übergangsgeld werden die umworbenen Stars nicht darauf angewiesen sein. Ex-Juve Trainer Fabio Capello, der das sinkende Schiff eiligst Richtung Real Madrid verließ, rief bereits Gianluca Zambrotta an, um ihn nach Spanien zu locken. Del Piero klagte über die negativen Schlagzeilen in der Heimat: «Deshalb ist Frankreich Favorit», sagte der Schütze zum 2:0 gegen Deutschland.

Lippi, der trotz vieler Bitten seinen Vertrag wohl nicht verlängern und angeblich zu Manchester United wechseln wird, erwartet dagegen «ein völlig ausgeglichenes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften». Im Finale setzt der grandiose Taktiker auf die siegreiche Anfangsformation des Spiels gegen Deutschland: Vor dem bislang nur durch ein Eigentor von Cristian Zaccardo bezwungenen Weltklassetorwart Gianluigi Buffon soll der beste Abwehrchef der Welt, Fabio Cannavaro, eine neue «Berliner Mauer» bauen.


Im Mittelfeld zieht der überragende Regisseur Andrea Pirlo die Fäden. Den nach seiner Rot-Sperre zurückgekehrten «Brutalo» Daniele De Rossi lässt Lippi vorsichtshalber auf der Bank. Als einzige echte Spitze stürmt Serie A-Torschützenkönig Luca Toni vor Spielmacher Francesco Totti, der seine Nationalmannschaftskarriere «zu 90 Prozent» in Berlin beenden wird. «Auch für mich ist es die letzte Chance», sagte Del Piero.

Die große Abschiedsgala würde er seinem Freund und Ex-Juve-Kollegen Zinédine Zidane deshalb gerne vermiesen. «Der Mann muss in den Käfig», forderte auch die «La Gazzetta dello Sport». Gattuso meinte: «Gegen Zidane hilft nur beten.» Marco Materrazzi, der wieder für den verletzten Alessandro Nesta (Adduktorenzerrung) in der Innenverteidigung ist, war genauso wie Simone Perrotta optimistischer: «Wir vertrauen gegen Zidane auf unser System», sagte Simone Perrotta.

Arrigo Sacchi glaubt fest an den Sieg: «Wir sind stärker», sagte Italiens Ex-Nationaltrainer. Die vom Gegner unbezwungene Abwehr ist sicher, der Angriff mit elf Treffern gefährlich und angesichts zehn verschiedener Torschützen unberechenbar. 70 Jahre nach dem Olympiasieg 1936 fühlt sich Italien deshalb reif für seinen zweiten Fußball-Triumph in Berlin.

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