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Portugal lustlos - Figos Goodbye - Scolari-Abgang?

Stuttgart (dpa) - 07.07.2006, 12:26 Uhr

Für Luis Figo fällt gegen Deutschland der Vorhang in der Nationalmannschaft.
Für Luis Figo fällt gegen Deutschland der Vorhang in der Nationalmannschaft.

Portugals Fußballer wollen das Erbe Eusebios antreten, doch vor dem Kampf um Bronze wirkt so mancher Spieler lustlos. Dabei ist das «kleine Finale» das Abschiedsspiel von Superstar Luis Figo und möglicherweise auch von Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari.

«Es ist sehr frustrierend und es wird schwierig eine Motivation zu finden für das Spiel am Samstag gegen Deutschland», sagte Mittelfeldspieler Deco vor der Begegnung um Platz drei in Stuttgart und beschrieb damit die Stimmungslage beim gescheiterten Halbfinalisten. Doch Kapitän Figo will seinen Kollegen vor seinem 127. und letzten Länderspiel noch einmal in den Hintern treten: «Die WM ist noch nicht vorbei», betonte der 33-Jährige.

Das gilt natürlich auch für Scolari - doch nach der WM ist Presseberichten zufolge für Scolari Schluss als portugiesischer Nationaltrainer. Der Brasilianer werde nach der WM seinen Rücktritt erklären und wolle sich dann einige Monate Pause gönnen, obwohl er lukrative Angebote von Vereinen in Spanien und Italien erhalten habe, schrieb das portugiesische Sportblatt «Record». Die Entscheidung sei bereits gefallen, hieß es weiter. Nächste Woche ist ein Treffen von Scolari mit Portugals Verbandspräsidenten Gilberto Madaíl anberaumt.

1966 in England hatten die Portugiesen mit ihrem Idol Eusebio mit einem 2:1 über die Sowjetunion Rang drei erobert und für die bisher beste Platzierung gesorgt. Der «Schwarze Panter» wurde damals mit neun Treffern Torschützenkönig. «Traurigerweise sind wir nicht im Finale, aber wir haben noch ein Spiel vor uns, das eine Belohnung verspricht: Die Bronzemedaille», sagte Eusebio. Für Figo und die «goldene Generation» ist das nur ein schwacher Trost: Dem Mittelfeldspieler von Inter Mailand bleibt ein Titel mit der «Seleccao» verwehrt. «Das nächste Spiel wird definitiv mein letztes sein», erklärte der «Weltfußballer des Jahres» 2001.

«Wir haben uns noch etwas verdient», meinte Torwart Ricardo. «Das wird eine schwierige Partie, aber wir kämpfen darum, noch einen Sieg zu landen. Ich glaube, jemand hat für uns noch etwas reserviert.» Deco räumte hingegen ein, dass er bereits die Regenerationsphase nach der WM im Auge hat. «Ich denke nur daran, mich auszuruhen, um mich beim FC Barcelona gut präsentieren zu können. Wir haben schließlich die spanische Meisterschaft und die Champions League vor uns», sagte er, nahm sich und seine Mitspieler aber dennoch in die Pflicht: «Für alle unsere Fans müssen wir noch einmal unser Bestes geben.»


Trainer Luiz Felipe Scolari brauchte nach eigener Angabe nach der 0:1-Niederlage gegen Frankreich «vier oder fünf Stunden, um mit meinen Leuten, meinen Kindern und meiner Frau zu sprechen». Dies tat der Brasilianer dann auch mit seinen Spielern und versuchte mit einem Sonderlob, die Stimmung zu heben. «Ich bin stolz darauf, dieser Truppe anzugehören», sagte Scolari und ballte die Faust: «Wir können den dritten Platz holen. Und das ist etwas sehr Interessantes. Die deutsche Mannschaft hatte einen Tag länger Pause und wir wollen sie schlagen.» Scolari muss seine Abwehr umstellen: Für Innenverteidiger Carvalho vom FC Chelsea ist wegen seiner Gelb-Sperre die WM bereits beendet. Zudem fehlt auf der rechten Seite voraussichtlich Miguel (FC Valencia) wegen einer Knieverletzung.

Auch wenn der Vize-Europameister gegen den Gastgeber spielt - Heimrecht hat eigentlich ein Portugiese: Fernando Meira hatte vor der WM seinen Vertrag beim VfB Stuttgart bis 2010 verlängert. Der Abwehrspieler war bei seinem Wechsel im Dezember 2001 von Benfica Lissabon zum VfB mit 7,5 Millionen Euro der bis heute teuerste Einkauf der Clubgeschichte. «Jetzt wollen wir wenigstens Dritter werden», sagte Meira.

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