Umbau «light»: Mit WM-Gerüst Richtung 2008
Berlin (dpa) - 06.07.2006, 13:55 Uhr
Podolski (r) und Odonkor gehören zu den jungen Talenten im deutschen Team.
Wer bleibt, wer geht, wer kommt? Der traditionelle personelle Umbruch in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach großen Turnieren wird nach der Weltmeisterschaft 2006 ausbleiben. Das Gerüst für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz sowie die nächste WM-Endrunde 2010 in Südafrika steht bereits. Eine große Rücktrittswelle wird es nach dem Spiel um Platz drei gegen Portugal nicht geben, selbst in der zahlenmäßig kleinen Altherren-Fraktion der «Ü 30»-Spieler hat noch keiner seinen Rücktritt offiziell angekündigt. «Wieso letzte WM?», antwortete etwa der 32 Jahre alte Bernd Schneider auf die Frage, ob die Heim-WM seine letzte gewesen sei. «Ich fühle mich noch gut und glaube, dass ich dem Team weiterhelfen kann», betonte der Mittelfeldspieler. Eine Wachablösung könnte am ehesten auf der Torhüter-Position stattfinden: Oliver Kahn ist schon 37, Jens Lehmann wird es im November. Der Arsenal-Schlussmann würde nach seinem ersten großen Turnier als Nummer 1 gerne weitermachen, will aber zunächst abwarten, wie die Trainerfrage ausgeht. Erst danach will er seine «persönliche Situation überdenken, was die Nationalelf angeht». Timo Hildebrand, Nummer 3 bei der WM, gilt als Kronprinz von Kahn und Lehmann. Robert Enke (Hannover 96), Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund), Tim Wiese (Werder Bremen) oder U 21-Nationaltorhüter Michael Rensing, der auch beim FC Bayern die Zukunft nach Kahn verkörpert, werden gehandelt.
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Neben Schneider (32) steht bei den Feldspielern mit Blickrichtung 2008 nur Klinsmanns WM-Joker Oliver Neuville (33) aus Altersgründen in Frage. Abgelaufen ist dagegen die Zeit für Jens Nowotny (32), der gegen die Jugend im Deckungszentrum keine Chance mehr hat. Per Mertesacker (21), Christoph Metzelder (25), Robert Huth (21) gehörte schon bei der WM die EM-Zukunft. «Es wachsen Spieler heran, die ungeheures Potenzial haben, um im Weltfußball auf sich aufmerksam zu machen», betonte Klinsmann nach dem Halbfinal-K.o. gegen Italien. Die End-Zwanziger Michael Ballack, Torsten Frings und Miroslav Klose können die junge Boy-Group um Mertesacker, Huth, Lahm (22), Podolski (21), Schweinsteiger (21), Jansen (20), Odonkor (22) und Hanke (22) noch einige Jahre anführen. Sieben U 21-Akteure standen im 23-köpfigen WM-Kader, das Potenzial ist gewaltig. Andere wie der von Klinsmann nicht nominierte Schalker Kevin Kuranyi (24) oder der einmal mehr verletzte Bayern-Profi Sebastian Deisler (26) sind vom Alter immer noch Spieler mit Zukunft. «Da muss uns nicht bange sein in Deutschland», sagte Klinsmann zu den Perspektiven: «Der Entwicklungsprozess hat erst angefangen, er geht noch viel weiter.» In der Vergangenheit folgte nach großen Turnieren meist eine Zäsur. Gleich zehn EM-Teilnehmer von 2004 gehören nicht mehr zum WM- Kader 2006. Klinsmann musterte in seinen zwei Amtsjahren Bobic, Jeremies, Ziege, Baumann, Brdaric, Wörns, Hamann und am Ende auch noch Kuranyi, Ernst und Hinkel aus. Nach der WM 2002 mussten sogar neun Vize-Weltmeister freiwillig oder gezwungenermaßen die große Fußball-Bühne verlassen; von Thomas Linke über Ramelow, Bode, Jancker, Bierhoff, Rehmer, Butt und Böhme bis hin zu Lars Ricken.
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