Freudentaumel: Rund 500 000 Menschen in Berlin
Berlin (dpa) - 15.06.2006, 00:32 Uhr
In Berlin waren die Massen auf den Straßen und der Jubel grenzenlos.
Ja, war denn schon Finale? - Auf der Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor dauerte der Jubel der Massen nach dem erlösenden 1:0-Sieg der deutschen Mannschaft über Polen minutenlang, fremde Menschen lagen sich im Freudentaumel in den Armen und tanzten ausgelassen. Die Jubelmeile Nummer eins in Deutschland war nach langem Bangen um Ballack und Co. in Dortmund ein schwarz-rot-goldenes Farbenmeer. Das späte, höchst verdiente Siegtor von Oliver Neuville in dem Vorrundenspiel brachte Euphorie, Hoffnung und Emotionen auf den Punkt - so viel war nie. Mehr als eine halbe Million Menschen waren bei prächtigem Hochsommerwetter zur deutschlandweit größten Fanmeile gekommen und fieberten an den Großbildleinwänden mit der deutschen Mannschaft. Nur rechtzeitiges Erscheinen sicherte ein Plätzchen, auf dem noch der Bierbecher zur durstigen Kehle kommen konnte. «Das ist Wahnsinn hier, die Stimmung ist groß», sagte ein 20-jähriger Fan, der extra aus dem Schwarzwald nach Berlin gekommen war.
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Schon vor Spielbeginn war kein Durchkommen mehr, ein großer Teil der Eingänge musste vorübergehend gesperrt werden. Fans konnten erst nachrücken, als sich die Feiernden bei Bier und Bratwurst auf der Meile weiter verteilt hatten. Und noch lange nach Beginn kamen weiter Fans. Berlin ist endgültig die Hauptstadt der Fußball-Partys. Seit der Eröffnung der Fanmeile kamen nun schon mehr als zwei Millionen Menschen. Das hat selbst die Erwartungen des Senats übertroffen. «Ganz Berlin ist jetzt eine Fußballstadt, eine ganze Stadt ist jetzt auf den Beinen», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach dem Spiel voller Freude. |
Die polnischen Fußballfans, die eindeutig in der Minderheit waren, hatten noch hoffnungsvoll ihre rot-weißen Fahnen bei jedem Ball ihrer Mannschaft geschwenkt, bis ihr Mittelfeldspieler Radoslaw Sobolewski in der 75. Minute vom Platz gestellt wurde. Schon der Anpfiff in Dortmund hatte bei den Fans auf der Meile die Emotionen frei gelegt. Viele junge Menschen, geschmückt mit Deutschlandfahne oder Hut, manche halbnackt, sangen die Hymne mit. Ein schwedischer Fan, der sich auf das Spiel seiner Landsleute in Berlin einstimmen wollte, war begeistert. «Diese Stimmung habe ich so nicht erwartet», sagte der 44-Jährige aus Stockholm. Die Polizei blieb trotz des Ansturms gelassen. Auch die Fans, die das Dach einer Bierbude und einen Security-Container auf der Meile erobert hatten, wurden bestimmt, aber freundlich herunter komplementiert. Auch einige Fußballanhänger, die die Stimmung mit nationalistischen Parolen und Kennzeichen missbrauchen wollten, wurden schnell aus dem Verkehr gezogen. In der ganzen Stadt waren rund 4000 Beamten im Einsatz. Nach dem Spiel sperrten sie auch schon mal spontan Straßen für die abziehenden Fans, die sich einfach nicht beruhigen konnten und weiter feierten. In einem großen Fanartikel-Shop auf der Partymeile soll heute Nachschub eintreffen. Das deutsche Nationaltrikot war vorerst komplett ausverkauft.
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