Skandal-Chaos plagt «Azzurri» vor WM
Florenz (dpa) - 26.05.2006, 14:25 Uhr
Fabio Cannavaro hat sich mit seinen Äußerungen in Bedrängnis gebracht.
WM-Freifahrtschein für Torwart Gianluigi Buffon und harscher Anpfiff für Kapitän Fabio Cannavaro - der sich nun auch auf den AC Mailand ausdehnende Fußball-Skandal in Italien stürzt die «Azzurri» in ihrer WM-Vorbereitung in ein Wechselbad der Gefühle. Kaum hatte Juventus Turins Torhüter im Verhör der Staatsanwaltschaft Parma die Wettvorwürfe gegen sich ausräumen können, da geriet mit Vereinskollege Cannavaro der nächste Nationalspieler unter Beschuss: Der Abwehrchef hatte Italiens mutmaßlichen Fußball-Paten Luciano Moggi als «guten Mann in seinem Job» gelobt und damit seine Kapitänsbinde aufs Spiel gesetzt. Die Fans empfingen Cannavaro beim Training im WM-Quartier mit Pfiffen und Buhrufen. Verärgert pfiff der kommissarische Präsident des Italienischen Fußball-Verbandes (FIGC), Guido Rossi, den Kapitän zurück. «Wer Fehler gemacht hat, muss dafür zahlen», erklärte Cannavaro daraufhin kleinlaut. Die «Azzurri» werden immer nervöser, nur Buffon atmete auf: «Jetzt fühle ich mich wirklich frei, um mich ganz auf die WM zu konzentrieren», sagte der Schlussmann. Dem leidenschaftlichen Wetter, der laut «La Gazzetta dello Sport» in den vergangenen zwei Jahren zwei Millionen Euro verzockt haben soll, sind laut Staatsanwaltschaft derzeit keine unerlaubten Wetten nachzuweisen.
Neue Enthüllungen im Wettskandal kamen aber aus Rom. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob es bei den Spielen des AS Rom gegen Juve im März sowie beim Derby gegen Lazio Rom im Mai vergangenen Jahres Ergebnisabsprachen und illegale Wetten gab. Mindestens ein Spieler der beteiligten Teams soll über Strohmänner beim Derby auf das damals als skandalös empfundene 0:0 gewettet haben. Auch die Partie Udinese gegen Parma von Anfang April diesen Jahres wird untersucht. Während mit Giampiero Boniperti (77) ein Juve- Urgestein als neuer Hoffnungsträger an die Spitze des vom Zwangsabstieg bedrohten Rekordmeisters trat, setzten in ganz Italien die Staatsanwaltschaften ihre Verhöre fort. Ex-Schiedsrichter-Koordinator Paolo Bergamo bestritt in einem achtstündigen Verhör in Rom, dass Ex-Juve-Manager Moggi sich die Schiedsrichter habe aussuchen und fernsteuern können. Ein Vorwurf, der laut «Corriere della Sera» nun auch gegen den AC Mailand erhoben wird. Milan bestritt, Einfluss auf die Schiedsrichter ausgeübt zu haben. Abgehörte Telefongespräche der Mailänder mit dem ehemaligen Star-Schiedsrichter Luigi Collina, der auf Wunsch der Europäischen Fußball-Union (UEFA) reaktiviert werden soll, erscheinen tatsächlich wenig beweiskräftig. |