Brasilien schont seine Stars - Psychologin hilft
Weggis (dpa) - 23.05.2006, 13:27 Uhr
Ronaldinho (r) besteigt mit dem brasilianischen Team einen Bus Richtung Weggis.
Die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft geht die WM-Vorbereitung in Weggis am Vierwaldstättersee ohne Verletzte, aber mit angezogener Handbremse an. «Kein einziger Spieler hat Probleme», sagte Mannschaftsarzt José Luiz Runco des fünfmaligen Weltmeisters. Der erste Teil der «Seleção» - darunter Roberto Carlos und Robinho - rückte bereits zu einem medizinischen Check im Paraplegiker-Zentrum von Nottwil an. Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira hat sich zudem vor seinem Abflug in die Schweiz noch Tipps von Psychologin Regina Brandão geholt, die die Brasilianer bereits bei ihrem Titelgewinn 2002 unter Luiz Felipe Scolari beraten hatte. Brandão hat in einer Studie unter 800 Fußballern nachgewiesen, dass Fußballer oft ihren Enthusiasmus verlieren, wenn sie vor einem Spiel oder Turnier Favoriten sind. Darauf wies sie auch Parreira hin und empfahl ihm: «Es ist wichtig, auf jeden einzelnen einzuwirken, damit er nicht das Ziel aus den Augen verliert.»
Körperlich ist das Team nach Angaben von Runco in einer besseren Verfassung als vor der WM 2002, als das Angriffsduo Ronaldo/Rivaldo angeschlagen war. Ganz normal trainieren könne Ronaldo, obwohl dieser seit 8. April nicht mehr gespielt hat. Der WM-Torschützenkönig von 2002 hatte in der vergangenen Saison bei Real Madrid nach eigenen Angaben vier Verletzungen, «die mich jeweils zwei, drei Wochen gekostet haben». Eine davon - am Knöchel - sei schwerer gewesen. In Spanien war ihm zuletzt vorgeworfen worden, er schone sich für die WM. Ronaldo ist sich sicher, dass Konditionscoach Moracy Sant'Anna schonend mit ihm und seinen Mitspielern umgeht. «Er weiß, dass die Spieler müde sind und dass es jetzt unvernünftig wäre, hart zu trainieren.» Dies bestätigte auch Runco. «Auf Basis der Testergebnisse werden wir unsere Trainingsarbeit festlegen - individuell auf die Spieler abgestimmt. Ich glaube, dass wir in wenigen Wochen eine harmonische Gruppe haben werden.» Dennoch macht sich der Betreuerstab um Parreira etwas Sorgen, da die meisten Profis eine anstrengende Saison hinter sich haben. Der eine oder andere wird auch mal von einer Trainingseinheit befreit, um sich zu erholen. «Die Tatsache, dass ein Spieler nicht daran teilnimmt, heißt nicht, dass er verletzt ist», sagte Runco. «Manchmal ist eine Pause das beste Training.» So darf Kapitän Cafú, der am 19. Juni 36 wird, mit einer Sonderbehandlung rechnen. Zumal der Abwehrspieler des AC Mailand sich erst von einer Knieoperation erholt hat. «Ich würde sagen, dass ich im Moment etwa 98 Prozent meines Potenzials abrufen kann. Ich werde aber sicherlich noch vor Beginn der WM wieder hundertprozentig fit sein», sagte Cafú. Auch «Weltfußballer» Ronaldinho hat ein Kräfte zehrendes Jahr hinter sich: Noch letzte Woche stand er mit dem FC Barcelona im Champions-League-Finale. Die wenigen freien Tage danach nutzte er noch zu einem Kurztrip in die Heimat.
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