Angola hofft auf einigende Kraft des Fußballs
Johannesburg/Luanda (dpa) - 30.03.2006, 12:03 Uhr
Angolas Trainer Luis Goncalves de Oliveira bei der Auslosung in Leipzig.
Im staubigen Sand der Armutsviertel, zwischen windschiefen Wellblechbuden und Bretterverschlägen träumt Angolas fußball-verliebte Jugend von WM-Triumphen. Nach knapp drei Jahrzehnten Krieg hofft sie auf einen Überraschungserfolg bei der ersten WM-Teilnahme des Landes. Im sechsten Anlauf hatte sich der südwestafrikanische Ölstaat für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert - der Jubel zwischen Luanda und Lubango kannte kaum Grenzen. Die kriegszerrüttete Nation setzt auf die einigende Kraft sportlicher Spitzenleistung - so wie sie einst das «Wunder von Bern» WM-Gastgeber Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg beschert hat. Der Trümmerstaat Angola sieht die WM-Teilnahme als Chance, neues Selbstwertgefühl bei der traumatisierten Bevölkerung aufzubauen. Auf dem eigenen Kontinent hatten es die Angolaner 1996 erlebt, als Südafrika nach dem Fall der Apartheid durch den Gewinn des Afrika- Cups bei Schwarz und Weiß einigenden Nationalstolz auslöste. Angola hofft auf Ähnliches, obwohl das Nationalteam - die «Palancas Negras» (Schwarzen Antilopen) - sportlich aus der Wüste kommt. Immerhin gab es erste bescheidene Erfolge des nach Angolas Wappentier benannten Teams - die WM-Qualifikation zählte dazu. «Früher hatte Angola überhaupt keine Gewinne erzielt, jetzt tragen wir immerhin die ersten Siege davon», meint Nationaltrainer Luis Oliveira Goncalves.
Er setzt bewusst auf Talente, die sich in Europa bereits bewährt haben. Der beim FC Porto spielende Abwehrspieler Pedro Emanuel (31) oder der früher für Benfica Lissabon und heute in Katar spielende Nationalteam-Kapitän Fabrice Akwa gehören dazu. Er ist wie Pedro Manuel «Mantorras» (23) einer der neuen Nationalhelden des Landes und verkörpert den Traum vieler Kriegswaisen: Sozialer Aufstieg durch sportliche Spitzenleistung. Mantorras war nach dem Tod der Eltern einer der unzähligen zerlumpten Straßenjungen Luandas, ehe er es als Stürmer bei Benfica Lissabon zu Ansehen und Wohlstand brachte. Kritik, dass Oliveira Goncalves heimische Talente zu sehr vernachlässigt, lässt der Trainer nicht gelten. In der Hauptstadt Luanda erklärte er europäischen Journalisten: «Angola hat sich mit Spielern qualifiziert, die bereits Erfolge in Europa gesammelt haben und jetzt nach Afrika zurückkehren. Wir haben es nur geschafft, weil wir Spieler um uns geschart haben, die unter besseren Bedingungen trainieren und lernen konnten. Bei Auswärtsspielen verlieren wir regelmäßig, wenn wir nur mit heimischen Spielern antreten.» |