Brasiliens Fußball-Chef Teixeira wirft das Handtuch
Rio de Janeiro (dpa) - 12.03.2012, 20:44 Uhr
Ricardo Teixeira räumt den Präsidentensessel des brasilianischen Verbands. Foto: Srdjan Suki
Rund zwei Jahre vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft in Brasilien ist der Präsident des nationalen Fußballverbandes CBF, Ricardo Teixeira, zurückgetreten. Der 64-Jährige stand seit Jahren unter Korruptionsverdacht und hatte zuletzt zusehends an Rückhalt bei der Regierung und dem Fußball-Weltverband FIFA verloren. «Ich lege das Präsidentenamt beim CBF nieder und gehe mit dem Gefühl, die Aufgabe erfüllt zu haben», schrieb er in einem Brief, den sein Nachfolger José Maria Marin bei einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro vorlas. Erst einige Tage zuvor hatte sich Teixeira aus gesundheitlichen Gründen beurlauben lassen. Die angeschlagene Gesundheit wurde auch als Hauptgrund für seinen Rücktritt angegeben. Er trat zugleich als Präsident des lokalen WM-Organisationskomitees (COL) zurück, in dessen Aufsichtsrat die Ex-Fußballstars Ronaldo und Bebeto vertreten sind. Der 79-jährige Marin führt nun wie zuvor Teixeira in Personalunion den CBF und das Komitee. Er versprach Kontinuität und schloss personelle Veränderungen zunächst aus. «Es gibt einen neuen Präsidenten, aber keine neue Amtsführung. Wer das Vertrauen Teixeiras hatte, der hat auch meines.»
Teixeira führte den CBF über 23 Jahre mit strenger Hand. Unter seiner Amtszeit holte Rekordweltmeister Brasilien zwei seiner fünf WM-Titel (1994 USA und 2002 Japan/Südkorea). Auf der Haben-Seite dürfte auch stehen, dass er für Brasilien den Zuschlag für die WM 2014 erkämpfte. «Das Ende ein Ära», schrieb das Sportportal «Lance!Net». Doch stand der Top-Funktionär stets auch in der Kritik, vor allem forderte der Ex-Fußballstar und heutige Abgeordnete Romário unermüdlich seinen Rücktritt. Teixeira und sein Ex-Schwiegervater, der frühere FIFA-Präsident João Havelange, sollen laut BBC im Zuge des Korruptionsskandals um die 2001 in Insolvenz gegangene Sportvermarktungsagentur ISL Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Beide wiesen die Anschuldigungen stets zurück. In Brasilien musste sich Teixeira zudem immer wieder gegen Vorwürfe der Geldwäsche und Steuerhinterziehung wehren. |