Donnern an Brasiliens WM-Front
Brasília (dpa) - 09.03.2012, 10:52 Uhr
Brasiliens Verbandspräsident Ricardo Teixeira hat sich aus gesundheitlichen Gründen beurlauben lassen. Foto: Antonio Lacerda
Beim WM-Gastgeber Brasilien geht es drunter und drüber. Erst der eskalierende Streit mit der FIFA - und dann kommt dem Land des Rekordweltmeisters der umstrittene Verbands-Präsident abhanden. Zumindest vorläufig. Ricardo Teixeira gehört nicht zu den großen Sympathie-Figuren des brasilianischen Fußballs. Aber er ist mächtig und seit fast einem Vierteljahrhundert Präsident des nationalen Fußballverbandes CBF. Seit Wochen wird über den Rücktritt des Top-Funktionärs spekuliert, der sich seit Jahren gegen Korruptionsvorwürfe zu Wehr setzen muss. Nun ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen auf zunächst unbestimmte Zeit beurlauben. Dabei hat das Land des fünffachen Fußball-Weltmeisters derzeit mehrere Baustellen zu bearbeiten. Mit Not und viel Diplomatie wurde gerade die größte Krise zwischen dem Gastgeber der WM 2014 und dem Fußball-Weltverband entschärft, die ausgelöst wurde durch unbedachte Worte des FIFA-Generalsekretärs Jérôme Valcke. Der Franzose hatte den Organisatoren ob der tatsächlich schleppenden Vorbereitungen für die WM einen «Tritt in den Hintern» anempfohlen und damit bei den stolzen Brasilianern ein Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Doch die Kuh ist seit Donnerstag vom Eis. Denn die Regierung nahm die Entschuldigungen von FIFA-Präsident Joseph Blatter und Valcke gnädig an. «Im Hinblick auf ihre Korrespondenz, ..., teile ich mit, dass ich Ihre Bitte um Entschuldigung im Namen der brasilianischen Regierung akzeptiere», schrieb Sportminister Aldo Rebelo an Blatter. Und auch Valcke würdigte der erst seit einigen Monaten amtierende Minister mit einem Zwei-Zeilen-Brief: «... Ihre Entschuldigungen wurden akzeptiert». Und dann stellte er Blatter noch eine «Audienz» bei Präsidentin Dilma Rousseff in Aussicht. Der Termin ist offen. Zumindest Teixeira dürfte bei dem Besuch nicht zugegen sein. Brasilianische Medien veröffentlichten ein Schreiben des CBF-Präsidenten, in dem er den regionalen Verbänden mitteilte, dass sein Vize José Maria Marin vorübergehend die Präsidentschaft des CBF übernehme. Die Unterschrift: «Hochachtungsvoll Ricardo Terra Teixeira, Präsident». Der Chef des Fußballverbandes von São Paulo, Marco Polo Del Nero, sagte: «Wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht, muss man sich um die Gesundheit kümmern. Er hat um Beurlaubung gebeten.» |