Zwanziger zeigte sich durch den für den Frauenfußball ungewöhnlichen Gegenwind für die 47-Jährige, die er während der WM als «seine Trainerin» bezeichnet hatte, hingegen «ehrlich enttäuscht». «Verband und Clubs sitzen in einem Boot, da kann man doch nicht plötzlich selbst Löcher in den Bug schießen und das Boot damit zum Kentern bringen», mahnte der DFB-Chef. Dass die See rauer geworden ist, haben auch der DFB und die Bundestrainerin mit ihrem Schlingerkurs nach dem Viertelfinalaus zu verantworten. Zwanziger zeigte jedoch Verständnis, dass Neid erst keine Motivationsprobleme hatte, dann einen Rücktritt offen ließ und sich schließlich doch zur Vertragserfüllung entschloss. «Sie ist im Moment immer noch nicht in der Lage, das Abschneiden abschließend zu analysieren, sie ist immer noch aufgewühlt». Da könnten «schon mal widersprüchliche Reaktionen» kommen. Die Initiative zum entscheidenden Gespräch vor der überraschenden Neid-Kehrtwende sei von ihm und Generalsekretär Wolfgang Niersbach ausgegangen, offenbarte der DFB-Präsident. «Wir haben gesagt: Wir müssen jetzt mit ihr sprechen.» Dass Birgit Prinz ihrer langjährigen Trainerin in der WM-Nachbetrachtung mangelnde Kommunikation vorwarf, löste bei Zwanziger ebenfalls großes Unbehagen aus. «Sie muss es jetzt nur verarbeiten und abhaken und dann mit dem DFB zu einer würdevollen Verabschiedung kommen. Das ist die einzige Aufgabe, das Nachkarten macht doch keinen Sinn.» Die Rekordnationalspielerin, die ihr DFB-Karriereende auf der Bank erleben musste, habe laut Dietrich «ihre Situation und Gefühlslage in einer angemessenen und ehrlichen Art und Weise» deutlich gemacht: «Ihr steht das zu, zumal sie sich während der WM äußerst mannschaftsdienlich verhalten hat und in den Medien Äußerungen aus ihren persönlichen Gesprächen mit Silvia Neid lesen musste.» Da alle Parteien das Beste für den deutschen Frauenfußball wollen, wären sie gut beraten, so schnell wie möglich wieder miteinander statt übereinander zu reden. Die grundsätzlichen Positionen scheinen zumindest nicht gänzlich unvereinbar, der gemeinsame Weg aus der Krise muss aber noch gefunden werden. «Alles Weitere sollte man nun zusammen mit einer guten Analyse im internen Kreis besprechen», forderte auch Dietrich abschließend.
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