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WM-Organisatorin Steffi Jones: «Sehr, sehr stolz»

Frankfurt/Main (dpa) - 14.07.2011, 10:31 Uhr

Steffi Jones (l) beim Spiel Frankreich - USA auf der Tribüne mit NRW-Ministerpräsidentin Kraft.
Steffi Jones (l) beim Spiel Frankreich - USA auf der Tribüne mit NRW-Ministerpräsidentin Kraft.

Beim WM-Aus des DFB-Teams hat Steffi Jones bittere Tränen vergossen. Als Präsidentin des Organisationskomitees darf die 38 Jahre alte Ex-Nationalspielerin aber stolz auf ein tolles Turnier sein. Jetzt würde sie gerne noch im Finale den Pokal den Weltmeisterinnen übergeben.

Wie bewerten Sie die Bilanz und Arbeit von Bundestrainerin Silvia Neid, die ja nun nach einigem Hin und Her weitermacht?

Jones: «Es ist so, dass ich mich als OK-Präsidentin aus der sportlichen Bewertung, was die deutsche Mannschaft angeht, während der ganzen WM rausgehalten habe. Denn dafür ist die sportliche Leitung da. Wir haben unser Ziel nicht erreicht. Und mehr möchte ich dazu auch nicht sagen. Ich bin ja nicht Bundestrainerin und in irgendeiner sportlichen Verantwortung, sondern zuständig für den organisatorischen Bereich und da bin ich zufrieden. Ich glaube, wir haben eine tolle WM.»

Siggi Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt und Sprecher der Bundesligisten, hat gesagt, das Turnier hätte einen Effekt haben können wie die Männer-WM 1974. Ist von dieser großen Wirkung in der letzten Woche nicht ein Stück kaputtgegangen?

Jones: «Das finde ich, ehrlich gesagt, nicht. Denn wir haben eine WM mit 16 Mannschaften ausgerichtet, die guten Fußball zeigen soll. Und wir haben vor der WM sehr viele Kampagnen gestartet, um nachhaltig partizipieren zu können. Deswegen kann ich mich dieser Meinung nicht anschließen. Wir haben vor und während der WM einen großen Schub gehabt. Wir konnten sehr viele Mädchen in die Vereine bringen und das wollen wir fortführen. Ich glaube nicht, dass das nicht erreichte sportliche Ziel das irgendwie hemmt.»


War es denn bei der ganzen Planung mal ein Thema, wie man damit umgehen wird, wenn die deutsche Mannschaft nicht das Halbfinale erreicht?

Jones: «Ehrlich gesagt: nein. ... Für uns war die größte Herausforderung, diese Bühne zu schaffen. Die Stadien zu füllen, dass wir eine tolle Atmosphäre schaffen. Dass die WM auch medial so großartig unterstützt wurde und immer noch wird. Aber sportlich? Ich habe nie darüber nachgedacht, wie es sein würde oder mir Sorgen gemacht, dass wir nicht ins Halbfinale kommen. Das schockt ja deshalb auch so. Aber es tut dieser Stimmung keinen Abbruch. Wir haben tolle Spiele, spannende Spiele. Es ist schon ein bisschen was verloren gegangen, ja. Aber ich glaube, dass die Begeisterung bis zum Ende da sein wird.»

Es ist aber doch jetzt nicht alles Mist?

Jones: «Sag ich ja! Das Turnier ist nicht weniger wert. Wir haben ein Weltklasse-Publikum, das alle Mannschaften unterstützt.»

Welche Erwartungen kann man jetzt an die Frauen-Bundesliga haben?

Jones: «Ich habe immer gesagt: Das eine ist die WM, das andere der Alltag der Frauen-Bundesliga. Wir haben keine falschen Erwartungen geschürt und immer eine realistische Einschätzung vertreten, wie es nach der WM weitergehen kann.»

Vier Wochen nach dem Finale ist schon der erste Spieltag. Was kann man da bewirken?

Jones: «Das haben wir mit den Vereinen schon vor und während der WM besprochen. Dafür haben wir ja eine Bundesliga-Kommission. Ich glaube auch, dass wir trotz des frühen Ausscheidens Fans gewonnen haben. Ich weiß aber auch, dass wir nicht in den Dimensionen von 10 000 Zuschauern leben dürfen. Was man machen kann: Verstärkt für den Verein und Frauenfußball werben - jeder Verein, jede Stadt für sich. So wie das jetzt auch die Austragungsorte gemacht haben. Die Frauen-Bundesliga muss eben in sich noch etwas stärker und attraktiver werden. Auch wir als DFB werden uns dieser Verantwortung stellen und eng mit den Vereinen kooperieren.»

Bei der nächsten WM 2015 in Kanada treten erstmals 24 Mannschaften an. Was ist in vier Jahren vom Frauenfußball zu erwarten?

Jones: «Auf dem Weg dahin sollte die FIFA nachdenken, unter dem Aspekt der weltweiten Weiterentwicklung des Frauenfußballs vielleicht wieder so eine Art Welcome Tour zu machen. Dass man nochmal in die einzelnen Länder geht und mit den nationalen Verbänden den Austausch sucht. Dass die FIFA über ihr Entwicklungsprogramm Maßnahmen trifft, damit sie wissen, wie man eine Liga aufbaut und strukturiert.»

Was war Ihr außergewöhnlichster Moment bei dieser WM?

Jones: «Das war für mich persönlich ganz, ganz klar, als ich nach der WM-Eröffnungsfeier auf den Rasen lief und den tollen Beifall bekommen habe. Da hatte ich Gänsehaut. Und dass der Bundespräsident mich in seiner Ansprache sogar noch gelobt hat. Das ist schon etwas, was mich sehr, sehr stolz macht, weil ich und unser OK-Team ja auch sehr viele Kritiker hatten in meiner Anfangszeit. Ich musste mir vieles hart erarbeiten. Dieser Moment war schon bisschen Belohnung, dass das Stadion ausverkauft war und ich wusste, dass das eine tolle WM wird.»

Übergeben Sie den Pokal am Sonntag oder macht das FIFA-Präsident Joseph Blatter?

Jones: «Das weiß ich noch nicht genau, das wäre schön. Ich würde mich freuen, wenn ich das machen dürfte.»

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