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Buchwald: Japan spielt nicht typisch japanisch

Frankfurt/Main (dpa) - 12.07.2011, 12:34 Uhr

Ex-Nationalspieler und Fußball-Weltmeister Guido Buchwald traut Japan den WM-Titel zu.
Ex-Nationalspieler und Fußball-Weltmeister Guido Buchwald traut Japan den WM-Titel zu.

Mit dem Sieg gegen Titelverteidiger Deutschland ist Japan die größte Überraschung im WM-Turnier gelungen. Japan-Kenner Guido Buchwald traut den Asiatinnen noch viel zu - obwohl ihre Spielweise ganz untypisch für Nippon sei.

Beim 1:0 gegen Deutschland hat Japan erstklassig verteidigt und 120 Minuten als Kollektiv in der Defensive gearbeitet. Haben wir da die japanischen Tugenden gesehen?

Guido Buchwald: «Eigentlich ist das nicht gar typisch japanisch - sie sind eher der Typ Straßenfußballer und haben mehr die Offensive als die Defensive im Kopf. Aber Trainer Norio Sasaki hat mit einer sehr engen Viererkette spielen lassen, die die Räume auf jeder Seite sehr eng gemacht hat. Jede Spielerin hat in der Defensive mitgemacht. Das war eine extrem gute Leistung.»

Das klingt nach einer gereiften Spielanlage. Was trauen Sie den Japanerinnen bei dem Turnier noch zu. Den Titel?

Buchwald: «Wer Deutschland im eigenen Land schlägt, der kann auch Weltmeister werden. Aber Schweden hatte bisher relativ leichtes Spiel, musste nicht in die Verlängerung. Die 120 Minuten gegen Deutschland haben den Japanerinnen Energie gekostet. Ich glaube, die Schwedinnen haben noch größere Kraftreserven.»


Welche Entwicklung hat denn der japanische Frauenfußball in den vergangenen Jahren genommen? Und wie sieht es mit dem Interesse in der Bevölkerung aus?

Buchwald: «Die Japanerinnen waren schon vor vier, fünf Jahren in der Spitze dabei. Aber sie zeichnen sich vor allem durch ihr großes Engagement aus. Sie wollen sich immer weiter verbessern und immer mehr lernen. Sie haben auch im Trainerbereich einen großen Schritt nach vorne gemacht, das zahlt sich jetzt aus. Die WM hat auch einen kleinen Boom in Japan ausgelöst. Das Spiel lief dort zwar am frühen Morgen, aber die Einschaltquoten waren ungewöhnlich hoch.»

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