Neid selbst betonte in der Stunde der Niederlage, dass sie sich «eigentlich gar keinen Vorwurf» mache und verwies stattdessen auf die anstehende Analyse. Dass die DFB-Elf zu fast keiner Zeit im Turnier an frühere spielerische Eleganz anknüpfen konnte, erklärte die Bundestrainerin unter anderem mit dem Erwartungsdruck: «Ich denke, dass die Mannschaft diesen schon gespürt hat und von daher nicht so leichtfüßig agiert hat, wie wir das gewohnt sind.» Diese Lockerheit war Birgit Prinz so weit abhanden gekommen, dass sich die Rekordnationalspielerin vor dem finalen Gruppenspiel gegen Frankreich selbst aus der Mannschaft genommen hatte. Die Bundestrainerin sei in der persönlichen Krise von Prinz nicht auf seine Tochter zugekommen, schilderte Vater Stefan Prinz aus der Innensicht, diese habe selbst das Gespräch suchen müssen. Neid habe «von Anfang an versucht, junge und ältere Spielerinnen gegeneinander auszuspielen und hat dadurch die Spielerinnen sehr verunsichert», sagte der Vater dem Hörfunksender «hr1» und forderte sie zum Rücktritt auf. Mit Prinz' Nominierung für die ungeliebte Sturmspitze beim WM-Start hatte Neid zumindest zur Schwächung der Kapitänin beigetragen. So fehlte dem deutschen Team eine echte Führungsspielerin, die gerade den jungen Kräften emotionalen Halt auf dem Feld geben konnte. Ob die eher ruhige Kerstin Garefrekes als mögliche Prinz- Nachfolgerin diese Rolle übernehmen kann, ist offen. Zudem muss Neid für die Zukunft, die mit der EM-Qualifikation im September gegen die Schweiz beginnt, die eklatanten Schwächen im Spielaufbau beheben. Durch den großen Abstand zum weit aufgerückten defensiven Mittelfeld agierten die technisch limitierten Innenverteidigerinnen zu häufig mit unpräzisen Bällen, um gepflegte Kurzpasskombinationen einzuleiten. Geschickte Schachzüge wird vermutlich auch die Bundestrainerin brauchen, um die öffentlichen Diskussionen um den «Offenbarungs-Neid» (Badische Neueste Nachrichten), die «Neid-Debatte» (Spiegel Online) oder die «Fehler der Feldherrin» (sueddeutsche.de) einzufangen. Auch Siegfried Dietrich, Manager des Bundesligisten 1. FFC Frankfurt, sieht sie unter Handlungsdruck: «Sie muss sich auch langfristig fragen, wie sie das Boot wieder ins Fahrwasser bekommt.»
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