Ein geradezu euphorischer DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und eine Chef-Organisatorin Steffi Jones, die «stolz wie Bolle» ist: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bei der Frauen-Weltmeisterschaft ein begeistertes Zwischenfazit gezogen.
«Wir sind total zufrieden, total froh, aber auch total erleichtert», sagte Niersbach bei einer Pressekonferenz am Freitag in Frankfurt/Main. «Die berühmte schwarze Null, die wir immer verkündet haben, werden wir auch erreichen und das Gesamtbudget von 51 Millionen Euro ausgleichen können.»
Nach dem letzten Stand waren 774 480 der insgesamt 900 000 Karten vergeben - das entspreche einer Auslastung der Stadien von 86 Prozent. «Theoretisch können wir die 800 000 erreichen, das ist keine Sensation, das ist eine Weltsensation», sagte Niersbach vor den ersten Viertelfinals am Samstag.
Der 60-Jährige war bei der Männer-WM 2006 Vizepräsident des Organisationskomitees, und schilderte nun ausführlich, wie viele Fragezeichen hinter dem Frauen-Turnier standen. «Im Nachhinein kriegt man richtig Bauchschmerzen. Wir sind mit dieser Frauen-WM ein hohes Risiko gegangen», sagte Niersbach. Beim «Sommermärchen» habe es 3 Millionen Tickets und 30 Millionen Anfragen gegeben, «bei den Frauen hatten wir keine Ahnung, wo wir rauskommen». Das Budget 2006 lag bei 530 Millionen. Bei «20elf», betonte der DFB-Generalsekretär, «hatten wir nur zwei Einnahmemöglichkeiten: die nationalen Förderer und das Ticketing.»
Als er sich bei einem FIFA-Funktionär erkundigte, wie viel die Sponsoren bei der WM 2007 in China bezahlt hätten, wäre Niersbach fast vom Stuhl gefallen: null. «Wir haben sechs Partner gefunden, da ist uns der erste Felsbrocken von der Seele geplumpst.» Diese investieren jeweils vier Millionen Euro und decken so den halben Gesamtetat ab. Große oder kleine Stadien - auch diese Entscheidung sei schwer gewesen. Erst DOSB-Präsident Thomas Bach hätte sie gedrängt, auch Berlin als Standort zu nehmen. Dort sahen 73 680 Zuschauer - Europarekord - das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Kanada.
Der Alptraum von leeren Arenen scheint Niersbach bis heute zu verfolgen. «Was wäre denn passiert, wenn wir die überall gehabt hätten?», fragte er mit Blick auf die WM-Minuskulisse von knapp 8000 Besuchern beim Vorrundenspiel Nordkorea - Kolumbien in Bochum. Der «Schlüssel zum Erfolg», so der erfahrene Organisator, sei jedoch gewesen, dass man beim Weltverband FIFA durchsetzte, die WM im Sommer zu organisieren. «Im September hätten wir das so nicht hinbekommen», sagte Niersbach und verwies auf den Bundesliga-Betrieb der Männer.
Die Rekord-Einschaltquoten und auch andere Begleitumstände der WM scheint Niersbach noch nicht ganz fassen zu können. «Gehen sie mal drei, vier Jahre zurück, das wäre undenkbar gewesen», kommentierte er die Resonanz im Fernsehen. Und er habe sich vor dem Turnier auch gefragt: «Panini-Bilder für die Frauen-Nationalmannschaft von Äquatorialguinea - wie soll das denn funktionieren?» In den Stadien herrsche überall «eine total positive Grundstimmung, ohne Aggression.» Dass die Fans nicht pfeifen, wenn die Nationalhymne des Gegners abgespielt wird, das würde er sich auch für den Männerfußball wünschen.
Als Glücksfall bezeichnete Niersbach die Beförderung von Steffi Jones zur Präsidentin des Organisationskomitees und verglich sie mit Franz Beckenbauer. «Was der Franz 2006 erreicht hat, das ist jetzt sie.» Und irgendwie sei das typisch für diese WM: «Dass aus einem gewissen Risiko ein großer Glücksfall werden kann.»