Die ARD liegt textlich ziemlich daneben mit dem nicht ganz neuen Pink-Lied «Fuckin' Perfect», vom musikalischen Dahindriften zwischen Liedermacher-Pop und großer Pop-Geste mal ganz zu schweigen. Andererseits: Wäre ein WM-Hattrick der deutschen «Sommermädchen» nicht irgendwie «Fuckin' Perfect»? Apropos «Sommermädchen»: Das Wortspiel in Anspielung an das Männer-Sommermärchen 2006 hat etliche Musikschaffende inspiriert - zu mehr oder weniger originellen Kompositionen, wie ein Streifzug durchs Netz zeigt. Marry, Schlagersternchen aus dem Westerwald, trällert zu Disco-Fox-Beats «Sommermädchen fürs Sommermärchen» - Textzeile: «Wir sind Feierbiester und holen den Pokal». Autsch... Weniger schmerzhaft klingt da das Amateur-Projekt Die Sommermädchen, das ein hübsches, etwas kinderliedartiges «Wir werden wieder Weltmeisterin» singt. Damit haben sie es immerhin bis ins ZDF-«Morgenmagazin» geschafft - auch mit diesem verbalen Ausrutscher: «Ihr habt die Eier, macht das nächste Sommermärchen wahr». Ironische Anspielung auf Olli Kahns Ausbruch («Eier, wir brauchen Eier»), oder? Auch Maskottchen Karla Kick hat einen eigenen Song: «Ready Or Not» vom Michael Mind Project feat. Sean Kingston - doch der ist leider weit weniger nett als die WM-Katze. Schon die ersten Sekunden drücken dem Hörer einen stampfenden Billig-Beat in die Ohren - schlimm. Immerhin singt Marta Jandovà, Frontfrau der Rockband Die Happy, für den DFB so etwas wie eine WM-Hymne, die mit den richtigen Jubelbildern unterlegt durchaus für Gänsehaut sorgen könnte: «Sister Hit The Goal» schwächelt aber beim Mitgrölfaktor. Den hat Angela Peltner, die beim WM-Song-Wettbewerb des Nachwuchsförderungsprojektes Local Heroes gewonnen hat: «Ladies (bringt uns den Pokal nach Haus)» - aber ob diese Außenseiter-Hymne den Stadion-DJs bekannt ist? Was bleibt also den Zehntausenden Fans in den WM-Stadien und auf den Fanmeilen? Der Griff zu musikalischen Fußball-Allzweckwaffen: «Oh, wie ist das schön» schallte es beim ersten Deutschland-Spiel durchs Berliner Olympiastadion, «Jetzt geht's los» intonierten die Fans nach dem 1:0 gegen Nigeria und immer wieder heißt es: «Schalalalala» oder «Oh, Oh, Oh, Oh, Oh, Ooh», nach dem Rhythmus des White-Stripes-Hits «Seven Nation Army». Echte (Fußball)-Gefühle brauchen eben keine Worte.
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